Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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Frau Stephan bemerkte dieſe Schamröthe und deren Urſache errathend, ſprach ſie begütigend:Es freut mich, junger Mann, daß Ihr ſo gut und feſt bei uns geſchla⸗ fen habt. Ein Wunder iſt's zwar nicht, da Ihr kaum geneſen von einer ſchweren Krankheit ſeid und geſtern einen ziemlichen Weg zurückgelegt habt. Wollte doch un⸗ ſer Herrgott, daß Ihr bei uns ganz wieder zu Kräften kämet und Euer ſieches Ausſehn verlöret! Ich habe für Euch Kaffee warm geſtellt: aber freilich weiß ich nicht, ob derſelbe Euch jetzt nützen dürfte. Er ſoll, wie unſer Doktor ſpricht, das Blut erhitzen und mager machen. Ich ſtelle es Euch frei, ob Ihr Kaffee oder lieber Milch von der Kuh weg trinken wollt, die man ſonſt vielen kränklichen Leuten anräth. Aber freilich müßtet Ihr dann ſchon um 5 aufſtehen, weil um dieſe Zeit die Kühe zum erſtenmale gemolken werden.

So ſprach keine Köhlersfrau. Ueberhaupt bekam Horſa immer mehr eine andere und zwar vortheilhafte Mei⸗ nung von ſeinen Wirthsleuten. So einfach die ganze Einrichtung des Hausweſens auch war, ſo zeugte ſie den⸗ noch von der Wohlhabenheit und ſelbſt von dem Schön⸗ heitsſinne ihres Beſitzers. Nichts von den geſchmackloſen, buntgakelichen ja unſittlichen Bildern an den Wänden, die man in ſo vielen Bauernſtuben aufgehängt ſieht! Keine Schränke, Truhen und Bettſtellen, himmelblau an⸗ geſtrichen, mit ziegelrothen Tulpanen und gelben Son⸗ nenblumen! Keine ſchmutzigen Töpfer⸗Reime auf den Lel⸗ lern und Schüſſeln, die in wohlgeordneten Reihen das Topfbret in der Stube zierten! Aber weiß wie Alabaſter die lindenhölzernen Tiſche und Schemel, die Dielen der Stube, die Fenſterbreter, das Gehäuſe der Schwarzwäl⸗