Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

wieder aus den Gedanken und aus ihren Augen bringen. Man munkelt von Gift, das der Prinz bekommen haben ſoll, weil immer mehr Leute und Soldaten ſich auf ſeine Seite zu ſchlagen angefangen haben ſollen. Der liebe Gott allein wiſſe es am beſten ſagte Röſe wie es zugegangen, daß der arme Prinz ſo ſchnell noch geſtorben iſt, da es doch anfänglich beſſer mit ihm gegangen wäre. Aber ſie könne es nicht länger auf der Feſtung aushalten. Wo ſie gehe und ſtehe, im Wachen wie im Schlafe, ſähe ſie den Prinzen mit dem blaſſen Leidensgeſichte vor ſich und nur zu gewiß wäre es, daß ſein Geiſt ſchon unter⸗ ſchiedlichen Schildwachen in der Nacht erſchienen ſei. Ja, eine von ihnen will in der Nacht vor ſeinem Begräbniſſe einen Leichenzug von der Feſtung hinab auf den Kirchhof haben ziehen ſehen, der dann auf ſein lautes Anrufen wie ein Nebel zerſtoben ſei. Röſe will, wenn ſie nicht einen andern Dienſt findet, lieber wieder hierher ziehen und Theer ſieden helfen, denn länger auf der Feſtung bleiben.

Dieſe Erzählung Stephans enthielt für Horſa Tröſt⸗ liches und Beunruhigendes zugleich. Tröſtliches, weil mit der Ueberzeugung von ſeinem Tode auch die Verfol⸗ gungen gegen ihn aufhörten; Beunruhigendes, inſofern mit der Zurückkunft der Magd die Unwahrheit jener Nachricht an den Tag kommen und er entdeckt werden mußte. Als ſonſtiger Monarch hatte er ſich noch nie um die Miethverhältniſſe ſeiner Unterthanen gekümmert, ein Umſtand, welcher ihn mehrere Tage lang in großer Un⸗ ruhe erhielt, bis er endlich auf ſein Befragen von Ste⸗ phan erfuhr, daß Röſe erſt zur Oſterzeit ihren gegenwär⸗ tigen Dienſt kündigen und dann ein Vierteljahr ſpäter