Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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Ich hatte ſie für gelieferte Holzkohlen von dem Hütten⸗ meiſter Binger in Saidnitz ausgezahlt bekommen. Das mußte doch der Strauchdieb ausgekundſchaftet haben. Denn ſonſt wüßt' ich wirklich nicht, warum er mich angefallen hätte, da ich ſchon mehr denn tauſendmal durch den Wald gegangen bin, ohne einen ſolchen Spitzbuben nur von weitem geſehen zu haben. Wo geht denn Euer Weg hin und woher ſeid Ihr? Ich kenne doch drei Meilen in der Runde herum alle Förſter und Jägerburſchen; aber ſo ein ſchnakiſcher wie Ihr iſt mir noch nicht vorgekom⸗ men. Ihr ſeht meiner Treu aus, als wenn Ihr dem dicken Oberförſter in Gröbern den Rock und die Hoſen gemauſt und Euch Spindelbein hineingeſteckt hättet. Statt der Büchſe führt Ihr einen alten Fichtenaſt und nicht einmal ein Jagdmeſſer bei Euch.

Das vorhin geäußerte Gleichniß des Burſchen von dem Pfenniglichte in der großen Stalllaterne paßte nicht übel auf Horſa. Denn immer noch ſteckte derſelbe in ſeiner alten Jägerkleidung, welche jedoch die vom Hof⸗ theaterfriſeur beigefügte Watte längſt ſchon von ſich ge⸗ geben hatte. Ueberdies hatte Horſa durch die Leiden der Gefangenſchaft alle Körperfülle verloren, ſo daß er, wie man ſpricht, nur noch aus Haut und Knochen beſtand.

Da behaupten die ſtrengen Sittenrichter, daß jede Lüge, folglich auch die Nothlüge, unrecht und darum un⸗ zuläſſig ſei. Sie haben gut reden, ſo lange ſie noch nicht in die Lage gekommen ſind, wo eine Nothlüge gro⸗ ßes Unrecht und Unglück verhüten, oder einen wünſchens⸗ werthen Nutzen ſtiften kann. Was ſollte, zum Beiſpiel, Horſa jetzt thun? Dem jungen Frager offen bekennen, wer er ſei oder demſelben mit der Antwort den Mund