Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Salomo in all ſeiner Pracht. Seid ihr nicht vielmehr denn ſie? O ihr Kleingläubigen!

Man erſieht aus dieſen Bibelſprüchen, welche Horſa ſich jetzt in's Gedächtniß zurückrief, daß derſelbe ſeine Lernzeit auf der Feſtung wohl benutzt hatte. Schul⸗ meiſter hätte er werden können, ſo bibelfeſt war er in ſeiner Gefangenſchaft geworden. Wirklich wollte er Alles werden, wozu ihn die Vorſehung beſtimmen würde. Nur nicht wieder ein Fürſt und Regent.Denn ſprach erwelches Glück beſaß ich als ein ſolcher? Der fürſtlichen Freuden ward ich bald überdrüßig und Genüſſe, von denen ein einzelner und in geringem Maaße einen niederen Sterblichen hoch beglückt hätte, ließen mich kalt. Dagegen verdanke ich all' meine Leiden nur dem fürſtli⸗ chen Stande. Wie ein ſeltener Schmetterling komme ich mir vor, deſſen buntes Flügelkleid ihn zum Gegenſtande der unermüdlichen Verfolgung aller Knaben und Ento⸗ mologen macht. Fortan laß mich, o gütiges Geſchick, nur ein gemeiner Molkendieb ſein, nach welchem niemand die Fangſcheere ausſtreckt.

Nach dieſen erbaulichen Selbſtbetrachtungen erhob ſich Horſa von ſeinem ungepolſterten Sitze, um ſeine glücklich begonnene Flucht mit raſchen Schritten fortzu⸗ ſetzen. Der Sonne Stand am wolkenfreien Himmel ward ihm hierbei ein Wegweiſer. Er erinnerte ſich, daß die Bergfeſte, welche ihn bisher beherbergt hatte, im Süden ſeines vormaligen Reiches und etwa fünf Meilen von der Gränze des Nachbarſtaates entfernt liege, daß ferner der Wagen, welchem er entſchlüpft war, auch die ſüdliche Richtung verfolgt hatte, indem die Sonne dem Kutſcher im Geſichte geweſen war. Letztere Bemerkung,