Da mußte ich wohl annehmen, daß Ihre Eure Freude an den Denkmälern Eurer Rachſucht fändet.“
„Nimm ſie an dich, guter Coittier,“— antwortete Ludwig—„ſammt dem Käſtchen. Ich hatte deſſen Vor⸗ handenſein rein vergeſſen.“
„Mit dieſen Zähnen hoffe ich eine große Freude bei meinen Pflegeſöhnen anzurichten“— ſprach Coittier zu ſich ſelbſt, indem er das goldene Käſtchen einſteckte—„wenn ſchon ich ihnen die geraubten Zähne nicht wieder einzuſetzen vermag.“
Als nach einigen Tagen des Königs Ende ſichtlich her⸗ annahete, wagte es niemand, ihm ſolches zu eröffnen. Oli⸗ vier, Ludwig's vormaliger Barbier, entſchloß ſich endlich, die Hiobspoſt ſeinem Wohlthäter zu hinterbringen. Er näherte ſich, in der Mitte Coittier's und des heiligen Franz von Paula, dem königlichen Krankenbette und ſagte mit haſtigem, aber froſtigem Tone zum Monarchen:
„Sire! wir müſſen die Sache auf's Reine bringen. Setzt keine Hoffnung mehr auf dieſen heiligen Mann. Es iſt um Euch geſchehen. Denkt nur auf Euer Gewiſſen, denn es giebt kein Mittel mehr für Euch.“
Auf dieſe Rede, welche den König wie ein Donnerſchlag traf, blickte er ſeinen Leibarzt und den Heiligen fragend an. Als dieſe Olivier's Worte durch ein ſtummes Achſelzucken bejahten, ſprach der König kläglich:„Ich befinde mich nicht ſo ſchlecht, als ihr denkt. Gott wird mir helfen.“
Am dreißigſten Auguſt 1483 wanderte unter frohen Geſängen ein Trupp feſtlich gekleideter und mit Blumen ge⸗


