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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
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ſolches Ungeziefer in Euern Zimmern, Sire? Und gab es denn kein anderes Mittel, Euch von dem Geſchmeiß zu be⸗ freien, als eine förmliche Hetziagd?“

„Wir haben ſie abſichtlich veranſtaltet“— verſetzte Olivier le daim—„um dem König die Langeweile zu ver⸗ treiben und ein Vergnügen zu bereiten. Die Ratten ſind von ungewöhnlicher Größe und lebendig gefangen worden, um hier gehetzt zu werden.“

So war denn Ludwig bis an ſein Ende ein Freund von grauſamen Zerſtreuungen!

„Die Jagd iſt beendigt“— ſagte der König, ſchon wieder verdrießlich werdend—„ſchafft die Hunde nebſt den gejagten Ratten fort und laßt mich mit Coittier allein.

Als Alle, bis auf Coittier, den König verlaſſen hatten, ſprach dieſer zu ſeinem Leibarzt:„Cvittier, wie findeſt du heute meinen Zuſtand?“

„Vortrefflich, Sire!“ verſetzte Coittier ſpöttiſch— „denn wenn Eure Majeſtät wieder an's Jagen denken kann, ſo muß ſie ſich doch gewiß wieder recht wohl fühlen.“

„Spotte nicht!“— ſprach Ludwig drohend.„Nur zu gut ſehe ich ein, daß eure Pulver, Pillen, Latwergen, Eſſenzen und ſonſtigen Giftmiſchungen mir nichts nützen, vielmehr meinen Untergang beſchleunigen. Auf ein wirk⸗ ſameres und minder übel ſchmeckendes Mittel baue ich jetzt, das ich meinem vielgeliebten Vetter, dem Könige von Spa⸗ nien, verdanke. Es iſt dieß der wirkliche und echte Zahn des heiligen Apoſtel Petrus, den mir der ſpaniſche König verehrt hat. Dort, in jenem goldenen Reliquienkäſtchen

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