153 fernſten Ländern Jagdhunde, Pferde, ſeltene Thiere und theure Stoffe herbeiſchaffen. In der Regel entzog der Monarch ſich allen neugierigen Blicken, und wenn er ja ſich einmal vor fremden Perſonen ſehen ließ, ſo behing er ſeinen vertrockneten Körper mit den prächtigſten Gewändern, die ſein elendes Ausſehen verſtecken ſollten.
Es war an einem Tage des Auguſtmonats 1483, als Coittier, wie gewöhnlich, den König um die Morgenzeit zu beſuchen kam. Er vernahm aus dem königlichen Kranken⸗ zimmer einen wilden Lärm— Hundegebell, Umherrennen vieler Füße, fremdartiges Kreiſchen, dazwiſchen Schreien, Rufen und Lachen.
„Sollte der König geſtorben ſein?“ fragte ſich Coittier verwundert, der ſich anders jenen Lärm nicht zu erklären vermochte. Indem er die Thüre öffnete, ſtürzte ihm ein Rudel Jagdhunde entgegen, welche, ihn beinahe umreißend, zwiſchen ſeine Beine fuhren und daſelbſt eine Beute faßten und erwürgten, in welcher Coittier mit Erſtaunen eine große— Ratte erkannte.
Der König hatte auf ſeinem Ruhebette eine halb lie⸗ gende, halb ſitzende Stellung eingenommen. Man konnte nicht genau unterſcheiden, ob ſeine verzerrten Geſichtszüge einem Lachen oder einem Schmerzgefühle galten. Außer einigen ſeiner vertrauteſten Diener hatte Ludwig ſeinen ehemaligen Barbier Olivier und den furchtbaren Triſtan um ſich, welche den ärgſten Lärm durch Schreien, Zurufen und Lachen verurſachten.
„Wie?“ hob Coittier erſtaunt an, indem er noch mehrere getödtete Ratten umherliegen ſah—„Ihr habt und duldet


