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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Denn des Herzogs Arm reicht weit und ſein Sinn iſt zu rach⸗

ſüchtig, als daß ihr euch ſeinem Zorne durch Widerſtand aus⸗

ſetzen dürftet. Mein Rath geht dahin, daß ſich Hugo ſchein⸗ bar in des Herzogs Willen füge und die Sendung übernehme. So wie er aber aus des Herzogs Augen gelangt iſt und ein Stück ſeines Wegs zurückgelegt hat, mag er die Haſenbälge ſammt des Herzogs Schreiben von ſich werfen und ſein Heil in der Flucht ſuchen. Freilich darf der Bube dann nicht wieder hierher zurückkehren, ſondern muß vielmehr den Her⸗ zog glauben machen, daß er von des Königs Leuten aufge⸗ fangen und gleich den übrigen Sendboten bei Seite geſchafft worden ſei.“

„Aber was ſoll der unerfahrene Knabe beginnen“— ſagte Frau Michelet beſorgt—„wenn er ſich ſelbſt über⸗ laſſen bleibt und du dich ſeiner nicht annehmen willſt?“

Jacques Coittier zuckte die Achſeln.„Unter zwei Ue⸗ beln“— entgegnete er—„muß man das kleinſte wählen. Du haſt die Wahl. Kann ich etwas für Hugo thun, ſo ſoll es geſchehen. Allein dabei mache ich es zur unerläßlichen Bedingung, daß bei unſerm etwaigen Zuſammentreffen, au⸗ ßerhalb dieſer Wohnung, Hugo ſich ſtelle, als ſei ich ihm gänglich fremd. Solches präge deinem Gedächtniß unver⸗ löſchlich ein, Junge! Uebrigens dürfte des Herzogs von Ne⸗ mours Maß nächſtens überlaufen und des Königs Nachſicht am Ende ſein. Schon ſehe ich“— fuhr Coittier mit einem ſtarren Blicke in die leere Luft vor ſich fort—„einen bluti⸗ gen Ring um Armagnac's Hals hervorſchimmern— aber, ſchweigt! ſchweigt!“

Hier ſchwieg Coittier ſelbſt und ſah gedankenvoll mit an,

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