Hier zog die Herzogin ihren Gemahl mit ſanfter Gewalt abſeits und hob mit flehender Stimme zu ſprechen an:
„Um Euer und Eurer Kinder Heils willen beſchwöre ich Euch, von Euerm Vorhaben abzuſtehen. Ihr wißt, daß je⸗ der Eurer Tritte und Schritte, jede Handlung, jedes Wort Eures Mundes von geheimen Kundſchaftern belauert wird, die Euch überall umgeben. Selbſt in dem unverfänglichſten Schreiben an Eure Freunde und Verbündete wird der König eine neue Verſchwörung gegen ſich vermuthen und Euern Un⸗ tergang herbeiführen. Gedenkt des feierlichen Verſprechens, mein Gemahl, und des heiligen Schwurs, den Ihr dem Kö⸗ nige auf das Kreuz von Saint⸗Lo abgelegt habt.“
„Kein Wort weiter, Jolande!“ fuhr der Herzog ſeine
Gattin hart an.„Ha! ſollte es mit dem Herzoge von Ne⸗
mours ſoweit gekommen ſein, daß er nicht einmal einen un⸗ ſchuldigen Scherz gegen ſeine Freunde ſich erlauben dürfte? Mag der Konig immerhin erfahren, was ich ſpreche und thue. Ich trotze ſeinen Kundſchaftern und hoffe, ſolche zu überliſten. Es bleibt bei meiner Rede, ſelbſt wenn Ludwig's Henkers⸗ knechte gegen mich im Anzuge ſein ſollten.“
Mit polternden Schritten begab ſich der Herzog in ſein Schloß und die Herzogin folgte ihm mit ihren Kindern und von ſteigender Angſt erfüllt.


