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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Was faſelt das alberne Weib? verſetzte der Herzog mit erheucheltem Erbarmen.Ich will ihrem Buben ein reiches Trinkgeld zuwenden, und ſie träumt von Lebensgefahren! Erliegt der ſtämmige Burſche etwa unter der Laſt von drei vertrockneten Haſenmumien? Oder dürften dieſelben die Habſucht der Strauchdiebe erregen? Oder bergen unſere Wälder der grimmigen Raubthiere ſo viele, daß man von ihnen zerriſſen zu werden befürchten muß? Ha! ſo ſperre deinen Buben ſein Lebelang in ein Kämmerlein und gieb ihm den Spinnrocken in die Hand!

Schickt mich, gnädigſter Herr, an die Stelle meines Bruders ſprach Antonie furchtſam.An mir iſt nicht viel verloren, wenn ich nicht wiederkommen ſollte.

Wirſt du den Vorſchlag deiner wackeren Schweſter ein⸗ gehen, Burſche? wendete ſich der Herzog zu Hugo.Von einem ſchwachen Kinde dich beſchämen laſſen?

Schickt mich, wohin es Euch beliebt erwiederte Hugo mit FeuerIch ſtehe zu Euren Dienſten, gnädig⸗ ſter Herr!

Höret nicht auf meiner Kinder Rede jammerte Frau Michelet.Sie wiſſen nicht, um was es ſich handelt Ach, von allen Sendboten, die Ihr an Eure Freunde und Verbündeten ausgeſandt habt, iſt ſelten einer wieder heim⸗ gekehrt!

Das beweiſt nichts weiter verſetzte der Herzog als daß meine Boten treulos waren und meine Dienſte ver⸗ laſſen haben. Darum will ich es eben mit einem Kinde ver⸗ ſuchen und hoffe von ihm, daß es beſſer den Heimweg wieder⸗ finden werde, als ſein Vorgänger.

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