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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
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der Herzog von Bretagne, hat mir neulich einen alten, er⸗ blindeten Falken zum Geſchenk überſchickt. Er ſoll dafür die drei Haſenbälge empfangen. Ha! ha! ha! prächtiger Einfall das. Der glückliche Finder ſoll auch der Ueberbringer der Haſen werden, damit ihm das reiche Trinkgeld meines herzoglichen Freundes zu Theil werde. Ha! ha! hal ſchon ſehe ich im Geiſte die großen Augen, die mein Freund Franz über meine Sendung machen wird. In zwei Stunden, Bube, ſtellſt du dich wieder hier ein, wo mein Sendſchreiben an den Herzog bereit liegen ſoll. Du kannſt dir unterwegs Zeit nehmen, denn, ha! ha! ha! deine Ladung verdirbt nimmer. Dieſe Worte verſetzten ſowohl die Herzogin, als auch Frau Michelet in die, größte Beſtürzung. Beide Frauen er⸗ blichen und ein Zittern überlief ihren ganzen Körper. Jede von ihnen öffnete die Lippen zu einer abwehrenden Entgeg⸗ nung und verſchloß ſie wieder aus Furcht vor dem Herzoge und unter dem ſtillen Wunſche) daß die Andere den Anfang des Sprechens machen möge. Siegerin über jede Bedenk⸗ lichkeit wurde endlich die mütterliche Liebe. Mit gerungenen Händen warf ſich Frau Michelet zu des Herzogs Füßen nieder. Habt Erbarmen, gnädigſter Herr! rief ſie mit herz⸗ zerreißendem Tone.Schont meines letzten, einzigen Soh⸗ nes! Mein Mann iſt in Eurem Dienſte erſchlagen worden und mein älteſter Sohn als Euer Bote ausgezogen, um nicht wiederzukommen. Beraubet Eure niedrigſte Magd nicht der letzten Stütze ihres Alters und unſer Hergott wird ſich dafür Eurer wieder erbarmen. Ihr habet ja ſo viele Leute zu Eurer Verfügung! Darum wollt Ihr gerade meinen Hugo, dieſen unerfahrnen Buben, zu Euerm Boten auserſehen?