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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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beſchreibt ihn mit Recht als einen herzloſen, falſchen, treu⸗ loſen und grauſamen Fürſten, wiewohl ſie ihm zugleich das Verdienſt einräumt, Frankreichs früher zerſtückte Beſitztheile unter Einen Hut gebracht und ſomit den Grund zu ſeiner jetzigen Macht gelegt zu haben. Seinen zahlreichen Feinden ſetzte Ludwig XI. eine unermüdliche Ausdauer und Beharr⸗ lichkeit entgegen. Weniger durch die Gewalt der Waffen als durch Liſt, Verſchlagenheit, ſcheinbarer Verſöhnlichkeit und durch die Kunſt, Uneinigkeit und Argwohn zwiſchen ſeine Gegner auszuſtreuen, ging der König aus allen feindlichen Anfechtungen als Sieger hervor. Die verführeriſche Macht des Goldes kennend, verſchwendete der ſonſt eben nicht frei⸗ gebige Ludwig XI. daſſelbe mit vollen Händen, um die ver⸗ trauteſten Räthe, die tapferſten Krieger und die nächſten Diener ſeiner mächtigen Gegner zu gewinnen und von ihren Herren abzuziehen.

Jacob von Armagnac, Herzog von Nemours, hatte, wie ſchon erwähnt, bereits im Jahre 1465 ſeine Hand und ſeine Macht gegen ſeinen königlichen Herrn erhoben. Von dem⸗ ſelben damals begnadigt, erneuerte er ſein Vergehen zum zweitenmale im Jahre 1470, jedoch mit eben ſo unglücklichem Erfolge als vorher. Von dem oberſten Gerichtshofe zum Verluſte ſeiner ſämmtlichen Beſitzungen, ſeiner Freiheit und des Lebens verurtheilt, entging er abermals dieſer Strafe durch das feierliche beſchworene Verſprechen, jenem Urtheile willig ſich unterwerfen zu wollen, ſobald es ihm jemals wie⸗ der beifallen ſollte, das Verbrechen der verletzten Majeſtät zu begehen.

Aus dem hier Erzählten erſieht der Leſer, daß Frau