6 „Höchſtens die ell ſind noch zu gebrauchen“— meinte Hugo.„Wißt Ihr, was, Autter: Ich werfe die drei Ha⸗ ſenbälge durch das Fenſter in den Schloßgarten und hole ſie
dann unvermerkt ab. Wir müſſen doch etwas für unſern Schreck davontragen.“
„Wie redeſt du doch ſo thöricht!“ antwortete die Mut⸗ ter.„Haſt du vergeſſen, daß unſer Herr Herzog das Erlegen oder Stehlen eines Wildes weit härter beſtraft, als den Mord ¹ und die Beraubung eines Menſchen? Warſt du nicht Au⸗
genzeuge, da der arme Roulet lebend auf den Rücken eines
wilden Hirſches geſchmiedet und der alte Berthoud bis auf
den Tod geprügelt wurde, weil er drei Rebhühner in Schlin⸗
gen gefangen und verſpeiſt hatte? Sollen wir uns wegen
drei verhungerter Haſen in's Unglück ſtürzen wollen? Das
bleibe ferne von uns! Wir überbringen den Fund unſerm
gnädigſten Herrn und erzählen, wie wir zu jenem gekommen
ſind. Vielleicht läßt der Herzog Vorkehrungen treffen, daß
ſich ein ähnliches Geſchick nicht zum Winter wiederhole, und ſo ſtiften wir noch etwas Gutes.“
„Ihr ſeid verſtändig, Mutter!“ geſtand Hugo beſchämte
.„Und gut!“ ſetzte Antonie hinzu.
Hierauf verließ die Mutter mit ihren beiden Kindern,
welche die aufgefundenen Haſen trugen, das Grabgewölbe.
Als ſie aus der Kapellezin den Schloßhof traten, langte eben
Herr Jacob oder Jaques von Armagnac, Herzog von Ne⸗
mours, von einer abgehaltenen Jagd an. Es war gegen
das Ende des Märzmonats 1473. Da der Himmelsſtrich
i Frankreich ein wärmerer als in Deutſchland iſt, ſo hatte
die Natur bereits ihr ſchönſtes Braut⸗ und Blüthenkleid an⸗
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