„Hugo! Hugo!“ rief Frau Michelet erfreut—„biſt du's? Komm ſchnell herab!“
„Seid Ihr hier unten, Mütterchen?“ verſetzte eine mun⸗ tere Knabenſtimme und ein ſchwarzgelockter Kindeskopf legte ſich oben an die Eiſenſtange, welche das Gruftfenſter quer durchſchnitt und verwahrte.„Euch ſuchte ich ja eben. Ihr ſollt ſchnell heimkommen. Euer Bruder, unſer Oheim, iſt angekommen und will Euch im Fluge ſprechen.“
„Komm nur erſt zu uns herab!“ wiederholte Frau Miche⸗ let, deren Muth zu ſteigen begann.
Schnell verſchwand oben der Kopf von der Eiſenſtange und bald polterten Hugo's Tritte die Steinſtufen herab.
„Hier bin ich, Mütterchen!“ ſprach der Knabe, welcher etwa dreizehn Jahre zählte, aber für dieſes Alter hoch und kräftig aufgeſchoſſen war.
„Schlage ein Kreuz über dich und empfiehl dich dem Schutze aller Heiligen“— gebot Fih Michelet ihrem Sohne —„und dann ſieh nach, was in jenem Winkel ſteckt. Deine Schweſter will dort etwas Ungewöhnliches entdeckt haben. Sei aber vorſichtig und fliehe raſch, wenn ſich etwa eine Ge⸗ fahr oder ſonſt etwas Ungeheures zeigen ſollte.“
„In dem Winkel dort?“ fragte Hugo.„Ich ſehe ja nichts. Doch ja, ein kleines, dunkles Häuflein. Sollte ſich ein Luchs oder Wolf, eine wilde Katze oder ein anderes Un⸗ gethier hier eingeſchlichen haben? Reicht mir die Stange mit dem Kehrwiſche, Mutter, und bringt Euch mit Antonien in Sicherheit, indeß ich mich mit dem unbekannten Dinge herumbalge. Zieht Euch zurück, Mutter, Antonie! Puff! Da haſt du Eins mit der Stange und noch eins, und noch


