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Die Ausgestoßene : eine Erzählung aus dem vierzehnten Jahrhundert / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Der darob höchlich erſtaunte Stadtdiener verfehlte nach ſeiner Rückkehr nicht, die Kunde von dieſem außer⸗ ordentlichen Ereigniſſe in der ganzen Stadt zu ver⸗ breiten, und ſo gelangte ſie auch zu den Ohren der Geſchwiſter, welche hierauf nichts Eiligeres zu thun wußten, als ihre Mutter aufzuſgghen, um unter maaß⸗ loſem Entzücken die Beſtätigung der frohen Nachricht aus dem mütterlichen Munde ſelbſt zu begehren.

Aber die Mutter verſetzte ernſt:

Ueberlaſſet euch nicht voreilig einer vielleicht eitelen Freude. Bevor ich nicht vom Doctor als rein befunden worden und der Gemeinſchaft meiner Mitmenſchen feier⸗ lich zurückgegeben bin, ſeht ihr noch immer in mir die ausgeſtoßene Kranke, darf ich euch mein Antlitz nicht zeigen, euch bei Todesſtrafe mir nicht nahen laſſen. Fahret fort, für mich zum Herrn zu beten, der bis hierher geholfen hat und wohl auch weiter helfen wird.

Als nun bald nachher der Herr Bürgermeiſter in Begleitung des Villicus und Pedellus, der Scabinen, Rathscumpane und Rathsfreunde, des Pater Anſelmus, des Doctor Stroberius und einer Schaar bewaffneter Bürger ſich vor das Meißner Thor hinaus begab, um nach dem geäußerten Wunſche der Leprakranken zu thun: da begleitete die Herren wohl eine eben ſo zahlreiche Volksmenge, als bei der Ausſtoßung der Wittwe zu⸗ gegen geweſen war. Das Volk fühlte, nach den Ver⸗ wüſtungen durch die Peſt und nach den Greueln der Seolsg das Bedürfniß einer erfreuenden Be⸗