Druckschrift 
Die Ausgestoßene : eine Erzählung aus dem vierzehnten Jahrhundert / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

166

Brennt das Strohneſt nieder und werft die aus⸗ ſätzige Hexe hinein! Allein eben ſo ſchnell brachte ein Andrer ihn durch die ängſtlich geſprochenen Worte zum Schweigen:

Biſt du von Sinnen, Günther? Willſt daß der Geiſt der fremden Krankheit dich in Beſitz nehme, nachdem du ſeine jetzige Inhaberin getödtet haſt?

Unter einem dumpfen Gemurmel trat die Menge den Rückweg nach der Stadt an.

Die Ausſätzige dagegen erhob unter einem dank⸗ baren Aufblicke gegen den Sternenhimmel ihre gefalteten Hände und verweilte auf ihrem Sitze, bis die ganze Gegend ſtill lag wie ein unermeßlicher Friedhof. Dann wendete ſie ſich zum Eingange ihrer Hütte.

Zwölftes Kapitel.

Die Einſetzung.

Die Wuth und Mordluſt der Dresdner gegen die Juden waren endlich nach einem mehrtägigen Schlachten und Metzeln gekühlt worden. Mit der Mordluſt war

zugleich die Raubluſt Hand in Hand gegangen. Man

haßte die Juden, doch nicht deren Geld und Güter, die man, anſtatt wie jene zu vernichten, mit gierigen Hän⸗ den an ſich riß. Der Eifer um den Glauben mußte