Mit Schweiß bedeckt, von ihrer Bürde und Todes⸗ angſt gänzlich erſchöpft, erreichte Sara den Rand des Gehölzes und erblickte bei dem matten Scheine, welchen die Feuerflammen in der Stadt über die Landſchaft ausgoſſen, eine weite, ebene Feldfläche. Kaum hundert Schritt weit lag in derſelben eine kleine, niedere Stroh⸗ hütte und vor ihr ſaß, einem dunkeln Geſpenſte gleich, eine Frauengeſtalt, welche, wie einſt Lots Eheweib nach dem brennenden Sodom, ihr Antlitz unverwandt nach Dresden gerichtet hielt. Selbſt das Geſchrei der immer näher kommenden Rotte unterbrach ſie hierin nicht.
Einer höheren Eingebung raſche Folge gebend, ſchritt jetzt Sara auf die Hütte zu. Die Frau, in die Be⸗ trachtung des brennenden Dresdens verſunken, gewahrte die Nahende nicht eher, als bis ſie deren Schritte in ihrer dichten Nähe vernahm.
Da rief die Ausgeſtoßene betroffen aus:„Wer kommt? Zurück! Zurück!“
„Habe Erbarmen, Chriſtin!“— flehte Sara athem⸗ los—„Erbarmen mit uns oder wenigſtens mit meinen ſchuldloſen Kleinen! Mein Mann erbarmte ſich ja auch deines Sohnes!“
„Wer biſt du denn, Weib?“— fragte die Aus⸗ ſätzige erſtaunt.
„Simonſons, des Juden, Gattin!“— erwiederte Sara.—„Die Chriſten haben eine grauſame Ver⸗ folgung wider uns erhoben, haben meine ſchuldloſen Glaubensgenoſſen erwürgt, erſtochen, zu Tode gequält,


