ſchien dieſe Menſchen zu verfolgen und drohte den Ueber⸗ ſetzenden mit erhobenen Fäuſten und wildem Geſchreie nach. Bald landeten die Flüchtlinge und nahmen ihren eiligen Lauf, nicht weit von der Mutter und deren Kin⸗ dern vorüber, nach dem nahen Walde.
„Juden waren es!“— hob die Mutter an.—
„Was mag mit ihnen ſein?“ Plötzlich ſtieg über der jetzigen Altſtadt Dresdens, welche der herbſtliche Himmel bereits mit ſeinem Dunkel zu decken begann, eine helle Feuersgluth empor. Zu⸗ gleich drang ein furchtbares Geſchrei aus jener Ferne bis zu den Ohren der darüber erſchrockenen Frau und Kinder. 6 „Geht eilig heim, meine Kinder!“— gebot die Mutter.—„Schließt euch in eure Wohnung feſt ein. Mir ſcheint es, als ſei ein Aufruhr drüben in der Stadt ausgebrochen, welcher wohl auch eure Altſtadt ergreifen kann. Ha! nun wird mir's klar! Den Juden gilt es! Darum flüchteten deren ſo viele in den Wald. Kinder! vergeßt die Familie des Juden Simonſon nicht. Du, Friedbert, kennſt ja gewiß die vielen Verſtecke in dem weiten Brauhauſe. Rette, wenn du kannſt, deinen Lebens⸗ retter und die Seinen. Fort! fort! Ich aber will für euch zum Herrn nun flehen.“
Während Friedbert und Margarethe davvn ſtand Sara, Simonſons Gattin, mit gerungenen Händen an dem Fenſter ihrer Wohnung und ſchauete mit namen⸗ loſem Entſetzen in die über der jenſeitigen Stadt auf⸗


