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Die Ausgestoßene : eine Erzählung aus dem vierzehnten Jahrhundert / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Der Prieſter erſchien hierauf in der offenen Kapel⸗ lenthüre, ſegnete mit erhobener Hand die Ausgeſtoßene ein und ſtimmte dann mit heller Stimme an:Kyrie eleiſon!

Kyrie eleiſon! ſprach im volltönenden Chor die Volksmenge nach und der Zug bewegte ſich weiter.

Da, wo gegenwärtig vor Dresdens Neuſtadt die Pichhütte nahe an der Eiſenbahn ſteht, war für die Leprakranke eine niedere, mit Stroh gedeckte Holzhütte errichtet worden. Dieſe ſollte für ihre noch kurze Le⸗ bensdauer fortan ihre Wohnung ſein. An Geräthſchaften enthielt ſie wenig mehr als einſt die Tonne des Diogenes, und das Loos der Ausgeſtoßenen hatte daher viel Aehn⸗ lichkeit mit dem desjenigen, der auf der offenen See an ein wüſtes Eiland ausgeſetzt und mit Lebensmitteln nur auf wenige Tage verſehen wird.

Froh, endlich der öffentlichen Schande und den zahlreichen Gaffern entrinnen zu können, kroch die Kranke in ihre Strohhütte hinein, ohne auf das Geſchrei ihrer Kinder zu achten, welche ihrer Mutter ein jammerndes Lebewohl nachriefen und dann gezwungen wurden, den Rückweg nach der Stadt und nach des Oheims Wohnung in der Meißnergaſſe anzutreten.

Unterwegs ſchon vertrockneten die Thränenguellen der Kinder, und der Knabe 4 mit gefaßter Stimme, zur Schweſter an:

Unſere Mutter ſieht ſich nicht mehr ähnlich. Mir

iſt, als wäre ſie es gar nicht. Geſteh' es, Margarethchen Nieritz. Die Ausgeſtoßene. 2

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