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Ave Maria beten oder wer in ſeinen letzten Nöthen zum Beſten der Kreuzkirche, welche den Brückenbau übernom⸗ men hatte, eine Schenkung machen, oder zum Ausbau, zu den Lichtern und Ornaten derſelben und deren Altären etwas geben, wer bei der Beſſerung und dem Baue der Brücke ſelbſt hülfreiche Hand anlegen und den Bau ſonſt durch Wort und That fördern würde.
Auf dieſe Weiſe war die Elbbrücke zu Stande ge⸗ kommen, über welche die Ausgeſtoßene jetzt ihrem Ver⸗ bannungsorte zugeführt wurde, was natürlich in Beglei⸗ tung einer großen Menge geſchah.
Ziemlich in der Mitte der Brücke ſtand eine Kapelle, dem heiligen Leichnam geweihet, wo die fremden Reiſen⸗ den Brückenzoll zu entrichten hatten. Als der Zug vor derſelben angelangt war, fiel die Ausgeſtoßene auf ihre Kniee nieder. Da die Freiknechte bemerkten, daß dies nicht aus Schwäche oder Widerſetzlichkeit, ſondern aus Frömmigkeit gegen das Gotteshaus geſchah, ſo unter⸗ ließen ſie, die Frau emporzuziehen. Dieſe breitete die Arme gegen die Kapelle aus, wobei zwei kalkweiße, mit Blutritzen geſprenkelte Hände ſichtbar wurden, und mit einer dumpfen, doch herzzerſchneidenden Stimme rief ſie aus:
„Leb wohl, auf immer, du theures Gotteshaus!“
Die beiden Kinder der Ausgeſtoßenen thaten wie ihre Mutter; knieeten und ſtreckten ihre Arme aus, kläg⸗
lich ſchreiend:„Heiliger Leichnam! erbarme dich unſrer
Mutter!“


