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Die Ausgestoßene : eine Erzählung aus dem vierzehnten Jahrhundert / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Das arme Weib! Es wankte ſtumm und mit ver⸗ hülltem Haupte einher; ſelbſt die Hände waren nicht ſichtbar, ſondern mit einem Tuche umgeben. Zunächſt des letzten, hinter der Kranken daherſchreitenden Frei⸗ knechtes wandelten zwei Kinder, die durch ein lautes Weinen als die Kinder der Wittwe ſich kund gaben.

Als die Kranke vor dem Rathhauſe angelangt und auf ein Zeichen des Pedellus eine tiefe Stille eingetreten war, trat der Bürgermeiſter an die Bruſtlehne der Treppe, räuſperte ſich und begann mit weit vernehmbarer Stimme zu ſprechen:

Dieweil du, Renate, verwittibte Schneider, nach Ausſpruch des hochgelehrten Doctors, Herrn Stroberii, mit der afrikaniſchen, als unheilbar bekannten und höchſt anſteckenden Lepra behaftet biſt, ſo ſprechen wir, Bür⸗ germeiſter, Stadtrichter, Pedellus, Scabini, Raths⸗ cumpane und Rathsfreunde nach gewiſſenhafter Berathung das Urtheil über dich aus: Du biſt von nun an aus⸗ geſtoßen aus unſter Gemeine und Gemeinſchaft, aus den Mauern dieſer Stadt und von jeglichem, menſchlichen Umgange; ausgeſtoßen von deinen Kindern, Blutsver⸗ wandten und Gefreundten. Man wird dir innerhalb des Stadtweichbildes einen Raum anweiſen, wo du forten wei⸗ len wirſt und den du unter keiner Bedingung überſch citen oder gar verlaſſen darfſt bei Todesſtrafe! Und Todes⸗ ſtrafe trifft dich, ſobald du dich in die Nähe irgend eines Menſchen wagen oder nicht von freien Stücken die Nähe eines Menſchen fliehen wirſt. Wir werden Sorge tra⸗