— 19—
Eben hatte er den Krug, angefüllt mit gutem Zittauer Bier, zur Hälfte geleert, als ein lebhaftes Klopfen die elende Thür erſchüttern machte. Franz ſprang haſtig auf, warf das Meſſer hin und öffnete die Stubenthür, dann ließ er ſeine rauhe, krählende Stimme erſchallen und fragte im rauhen Tone, wer draußen ſei.
„Ich bin ein Reiſender,“ ſagte eine Stimme, „ſeid ſo gut und öffnet mir Eure Thür für dieſe Nacht.“—
Der Wirth zum rothen Wolf nahm keinen Anſtand, das Verlangen des Einlaßbegehrenden zu erfüllen. Der Riegel wurde zurückgeſchoben, der Fremde trat ein und folgte dem vorangehenden Franz nach dem Zimmer. Kaum aber hatte der Gaſt einige Minuten hier verweilt, ſo ſtürzte Eu⸗ genie mit einem lauten Freudenrufe aus ihrem unſichern Verſteck hervor, und fiel dem Eingetretenen 3 in die Arme, während ſie ausrief:
„Er iſt es, er iſt es wirklich, mein theurer Jakob! Dank dir, o Gott, du haſt mein Gebet erhört, und durch deine Gnade ſind wir gerettet und mit einander vereinigt worden.“
Jakob Virling, denn er war es, ſia Staunen ergriffen bewegungslos in d Zimmers.


