„ — 188— Deinen friſchen Lippen angehaucht, beginnt meine Seele ſchon wieder ihre Flügel auszuſtrecken.
Weißt Du, Mirabeau, daß ich eigentlich recht froh bin, wenn Du nicht mehr in das Finanzminiſterium gehſt? ſagte Henriette, die raſch wieder in ihr fröhli⸗ ches Plandern überzugehen pflegte. Ich glanbe, Deine gute Laune hat dort nichts gewonnen, und auch unſer Geldbeutel nicht. Zuweilen war ich ordentlich eifer⸗ ſüchtig auf dies fatale Finanzminiſterium, ich wußte ſelbſt nicht warum. Denn Du ſahſt immer ſo heiter und glücklich aus, wenn Du beim Weggehen zu mir ſagteſt: Henriette, ich gehe in das Finanzminiſterium! Dann tröſtete ich mich wieder mit dem Gedanken, Du würdeſt nun bald ein reicher Mann werden, durch alle Deine Verbindungen mit der hohen Finanzwelt. Aber davon iſt nun am allerwenigſten etwas wahr ge⸗ worden, Mirabeau, und Du ſcheinſt mir nur reicher an Verdruß und Sorgen zu ſein, mein lieber, ſchöner großer Freund!
Es iſt wahr, entgegnete Mirabeau, ärgerlich auf⸗ ſpringend, ich habe jetzt weniger Geld als je, und dies verdanke ich dieſer elenden Finance, mit der ich mich eingelaſſen. Die entwertheten Diskonto⸗Scheine, die mir Claviere in großen Haufen zukommen ließ, und womit mir zugleich meine Wirkſamkeit bezahlt werden ſollte, haben ſich nicht wieder gehoben, ſondern ſind als reiner Plunder in meinen Händen zurückge⸗ blieben. Wahrhaftig, zuweilen kommt es mir jetzt ſo vor, als habe man mich blos gefoppt! Man läßt mich gegen die Credit-Speculanten und gegen die Börſe ſchreiben, und verſpricht mir goldene Berge, die man mir aber nur aus Papier vör die Naſe ſetzt, und zwar aus demſelben Papier, das ich erſt habe herunterbringen und entwerthen helfen müſſen. Dieſer Clavière behandelt es noch dazu wie eine recht diabo⸗


