Für Den, der immer richtig und reichlich zu ver⸗ ausgaben weiß, giebt es daher auch keine Deficits! begann Clavière in dieſem Augenblick wieder. Eine Finanzverwaltung ohne Deficit wäre ein Gemälde ohne Schatten. Die Malerei, meine Herren, iſt eigentlich die Kunſt des Schattens. Und die Finanzverwaltung iſt die Kunſt des Deſicits.
Jetzt ſtempelt er ſeinen Calonne noch zum Raphael und Titian! rief Cabanis, ſich vor Ergötzen die Hände reibend. Das letzte Redekunſtſtück Claviére's ſchien aber in der Verſammlung doch auch einiger Verſtim⸗ mung zu begegnen. Man begann an einigen Stellen der Tafel ziemlich vernehmlich zu ziſchen, und es fie⸗ len hier und da Aeußerungen, die an den Tag leg⸗ ten, daß man es doch zu harlekinsartig fand, das vf⸗ fenkundige Elend gewiſſer Zuſtände Frankreichs mit einer ſo gaukelnden Hand zu berühren.
In dieſem Augenblick trat Mirabeau in den Saal, deſſen Geſtalt überall, wo er eintrat, zuerſt ein eigen⸗ thümliches Aufſehn und eine gewiſſe Befremdung zu verbreiten pflegte. Dies war jetzt um ſo mehr der Fall, da Mirabeau in dieſem Moment, wo ſich die Blicke Aller auf den Eintretenden richteten, auf eine auffal⸗ lende Weiſe ernſt und bleich erſchien, und er zugleich eine ſeltſam höhniſche Grimaſſe, mit der er die noch vernommene Bemerkung Clavière's über das Deficit begleitete, nicht zu unterdrücken vermocht hatte. Er nahm jetzt ſeinen Platz ein, welcher ihm neben Clavière vorbehalten geblieben war.
Clavisre eilte nunmehr mit ſeiner Rede raſch zum Schluß, den er mit einigen großen und glänzenden Zügen, welche ihm wieder vollkommen gelangen, her⸗ beizuführen ſuchte, ſo daß die getheilte Stimmung, die ſich bemerklich zu machen angefangen, ſich am Ende


