Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

Stimmen Stillſchweigen geboten wurde. Claviére hielt einen Augenblick inne, und betrachtete mit ſchadenfroh blitzenden Augen die ſteigende Aufregung der Ver⸗ ſammlung.

Er hat es richtig ſchon jetzt zu einem Lebehoch für Calonne gebracht, bemerkte Cabanis leiſe. Der Herr Finanzminiſter ſchämt ſich auch gar nicht darüber, daß ſeine Verdienſte durch einen ſeiner geheimen Agen⸗ ten an die große Glocke geſchlagen werden. Ein Rous, wie er, nimmt jedes Plaiſir mit, woher es auch kommt. Und wie zweideutig iſt das Lob, daß das Geld unter Calonne's Verwaltung auf der Straße wächſt. Der helle Satanas kichert aus dieſem Lobe heraus. Es iſt wahr, dieſe lascive Geldwirthſchaft Calonne's ſucht das öffentliche Elend einſtweilen zu vergolden, indem man der Nation das Blendwerk vormacht, als wenn ungehener viel Geld in den Kaſſen vorhanden wäre. Da wird Alles ohne Unterſchied gekauft, um nur Geld zu zeigen. Güter, Schlöſſer, Inſeln, Wälder, Herzog⸗ thümer, alles Mögliche hat dieſer Calonne ſchon für den Staat angekauſt, ohne daß es im Geringſten nö⸗ thig geweſen wäre. Und wer in einer gewiſſen Zeit nur eine Penſion haben wollte, der brauchte ſich nur zu melden, und konnte gewiß ſein, daß er mit vffnen Armen aufgenommen wurde, und wer eine lebens⸗ längliche Penſion haben wollte, bekam ſie ganz ſicher, und wer ſchon eine lebenslängliche hatte, erhielt eine auf die ganze Ewigkeit ausgeſetzt. Selbſt die unver⸗ ſchämteſten Höflinge mußten erſtaunen, was ſie plötz⸗ lich Alles zu ſchlucken und zu beißen bekamen.*)

Claviere erfah jetzt den geeigneten Moment, ſeine Rede, die nur durch ihre eigene Wirkung unterbrochen worden war, wieder aufzunehmen.

*) Louis Blanc Histoire de la Révolution francaise I. ch. V.