Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſamkeit als eine wirkſame Arznei in die finanziellen Wunden Frankreichs träufeln zu können, und dies habe ihm zu erſtallen Credit genommen. Einem ſpar⸗ ſamen Finanzminiſter könne kein Menſch trauen. Unter einem guten Finanzminiſter müſſe das Geld aus allen Wolken regnen, und dann würde immer wieder neues Geld danach wachſen. Das wunderthätige Genie der franzöſiſchen Finanzen nehme heute den Ehrenplatz an dieſer Feſttafel ein. Als Herr von Calonne das Finanz⸗ miniſterium angetreten, habe er den Staatsſchatz ge⸗ öffnet, und nichts als zwei Säcke mit zwölfhundert Livres darin gefunden. Was Herr von Calonne vor⸗ fand, habe ſich außerdem auf 604 Millionen fällige Schulden und ein jährliches Deficit von 80 Millionen belaufen. Da habe er ſeine Amtsthätigkeit ſogleich mit einer Anleihe von hundert Millionen begonnen, und das ſei eine weiſe und fruchtbringende That ge⸗ weſen. Allerdings haben ſich ſeitdem Anleihen auf Anleihen gehäuft, aber das Geld iſt dadurch auf eine wahrhaft wunderbare Weiſe unter die Leute gekommen, und das Vermögen der ganzen Nation iſt in eine elek⸗ triſche Bewegung gerathen. In dieſem Jahre 1785 ſind allein 136 Millionen in Schatzkammerſcheinen ausgegeben worden.*) Meine Herren, es ſprüht jetzt Gold an allen Ecken und Enden von Frankreich, Frank⸗ reich hat ſo viel auszugeben wie noch nie, und es wird darum auch ſo viel einnehmen wie noch nie. Frank⸗ reich wird reich werden, und das Volk des reichen Frankreichs wird auch ein freies und glückliches ſein!

Bei dieſen Worten Clavière's brach ein ungeheurer Sturm des Beifalls in allen Theilen des Saals los. An einigen Stellen der Tafel rief man laut: Es lebe Calonnel während von anderer Seite her mit ſtrengen

*) Louis Blanc Histoire de la Révolution frangaise I. ch. V.