Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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Thränen, die eben ihren Augen entſtürzen wollten, wieder verwiſchte. Willſt Du Prediger werden, Mi⸗ rabeau, und kann man denn das hier in London ſo ohne Weiteres werden?

Sie ſprang raſch an ſeinen Schreibtiſch, an dem er zuvor geſeſſen, und nahm die auf demſelben liegen⸗ den, noch friſch beſchriebenen Blätter, ihren Inhalt raſch und eifrig mit den Augen überfliegend.

Wirklich, das iſt eine Predigt über die Unſterb⸗ lichkeit der menſchlichen Seele! rief Henriette, indem ſie vor Verwunderung die Blätter wieder aus ihren Händen gleiten ließ. Ihr Geſicht war ernſt und nach⸗ denklich geworden, und ſie warf ihm einen halb ſcheuen halb ehrerbietigen Seitenblick zu, der durch ſeine un⸗ widerſtehliche Komik Mirabeau's Gelächter erregte und ihn plötzlich wieder in den vollſtändigen Beſitz ſeiner guten Laune zu bringen ſchien.

Es iſt blos eine Gefälligkeit von mir, die mich zum Prediger macht, aber auch nur mit dieſem ſchrift⸗ lichen Concept, erwiederte er, die Blätter in die Hand nehmend und mit einer gewiſſen Selbſtgefälligkeit be⸗ trachtend. Jener Duval, der uns damals bei unſerm Straßen⸗Abenteuer in Regent⸗Street ſo wichtige Dienſte leiſtete und uns eigentlich aus den Händen des eng⸗ liſchen Pöbels befreite, hat mich um eine Gegenge⸗ fälligkeit in Anſpruch genommen, die ich ihm nicht ab⸗ ſchlagen konnte. Du weißt, daß er zu den Genfer Flüchtlingen gehört, wel he durch die Revolution des Jahres 1782 aus ihrer Heimath vertrieben wurden, und hier in London gaſtliche Aufnahme und ſogar den auffallendſten Schutz der engliſchen Regierung gefun⸗ den haben. Es hat ihn indeſſen hier das ſpießbür⸗ gerlichſte Leiden der Menſchheit, nämlich das Heim⸗ weh, ereilt, und ſo iſt er in Unterhandlungen über ſeine Rückkehr nach Genf eingetreten, die ihm auch in