Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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ſeinen Augen verwirklicht zu ſehen glaubt. Hu, wie ſich das dort mit gleißneriſchem Neigen und Blinken auf und nieder ſchiebt und über die Häuſer und Dächer hinweg eine immer dichtere und dunklere Hülle webt. Sieh dieſe frazzenhafte Nebelgeſtalt, die jetzt dicht an unſerm Fenſter vorübergaukelt, und ſcheint ſie nicht eben die Hände über den Kopf zuſammenzuſchlagen? Mirabeau, das gilt uns, und dieſe Frazze lacht uns höhniſch aus, daß wir noch immer hier in London ſitzen, und unſere Zeit und unſer Geld hier nutzlos verlieren.

Die Nebelfrazze hat Recht, entgegnete Mirabeau düſter und mißmuthig. Wir haben nun bereits viele Monate in London wie Narren verſeſſen. Wenn ich Stiefelwichsfabrikant wäre, ſo würde ich hier wahr⸗ ſcheinlich ſchon weiter gekommen ſein, wie mit mei⸗ nen literariſchen Arbeiten, mit denen ich die Londo⸗ ner Buchhändler vergeblich anzapfe. Ich häufe Ent⸗ würfe auf Entwürfe, greife mit meinen Vorarbeiten zu großen literariſchen Unternehmungen nach allen Welt⸗ gegenden umher, und begegne dann nur den armſeligen Mienen dieſer Schächer, die mich mit einem Achſel⸗ zucken abfertigen. Und bei dieſen vergeblichen Bemü⸗ hungen iſt auch ſchon wieder unſer ganzes Geld zum Schornſtein hinausgeflogen. Wir ſchränken uns ſchon ſeit mehreren Wochen auf das Allererbärmlichſte ein, kaum das Nothwendigſte haben wir uns anſchaffen können, und wenn nicht heut noch für uns Mannah vom Himmel regnet, werden wir morgen nicht mehr frühſtücken und zu Mittag eſſen können. Und damit der Zufall mich vollends verhöhnt, ſitze ich in dieſer Miſere und arbeite eine Predigt über die Unſterblich⸗ keit der menſchlichen Seele aus.

Eine Predigt? fragte Henriette verwundert und brach in ein herzliches Gelächter aus, welches die