5
unſeres Volkes durchrauſchen. Wir wiſſen genau, was wir Euch verdanken, aber wir wiſſen auch, was Frank⸗ reich einſt ſich ſerbſt ſchuldig ſein wird. In Amerika haben die Glocken der Freiheit ſchon geläutet, aber Frankreich, dieſen Wunderton der Ferne vernehmend, braucht ſich nur auf ſich ſelbſt zu beſinnen, um aus dem Traum ſeiner Knechtſchaft emporzufahren. Ja, es war ein langer, ſchwerer Traum, dieſe Knechtſchaft Frankreichs unter ſeinen Königen, aber die Knechtſchaft iſt die eigentliche Schule der Freiheit, und Paris iſt ohne Zweifel der Hauptſitz dieſer Schule für die moderne Welt geworden. In Amerika hat ein großes, zukunft⸗ volles Volk ſich auf ſeine eigene bürgerliche Kraft ge⸗ ſtellt, und wir ſehen ihm einſtweilen noch mit Neid und Bewunderung nach. Aber in Frankreich, in Pa⸗ ris hat die Philoſophie ſich ſchon lange zur Lehrmeiſte⸗ rin der Freiheit gemacht, und hat zuerſt die Geiſter bewaffnet, um die Feſſeln der Knechtſchaft an den Ge⸗ lenken der Menſchheit durchfeilen zu laſſen. Oh, ich erinnere mich noch des ungehenren Eindrucks, mit dem die Mähr von Euern Unabhängigkeitskämpfen, ihr glorreichen Amerikaner, zu mir in mein dunkles Ge⸗ fängniß drang! Es war mir, als wenn der ganze Schloßthurm von Vincennes, in dem ich damals ſaß, ſich bei dieſen Nachrichten über meinem Haupte ſpal⸗ tete und in einem Strom von Licht und Feuer ans⸗ einander ging. Denkt Euch einen armen gefangenen Menſchen, wie ich es ſeit Jahren geweſen, im Kerker gehalten durch die Tyrannei eines Vaters, der alle ſeine Kinder und Angehörigen wie Sklaven behandelte. Und in dieſem unſäglichen Drangſal von einem gan⸗ zen Volke zu hören, das ſeine Ketten zerbrochen hat! Ihr könnt Euch denken, welches Glück und welche Qual mich damit zu gleicher Zeit beſtürmen mußten. Ich glaubte es nun hinter meinen feuchten Kerker⸗


