Teil eines Werkes 
1. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Heiligen, bei denen auch die kurze Bekanntſchaft, die

man vielleicht erſt mit ihnen habe, nicht entſchuldigen dürfe.

Das iſt ein Franzoſe, der hat die Zunge auf dem rechten Flecke! ſagte Franklin, indem er zu Mirabeau herantrat und in der naiven Zutraulichkeit, die ſich der Amerikaner einmal überall verſtattete, demſelben mit ſeiner Hand durch den dichten Wald von Locken fuhr, die ſein Haupt in genialer Wildheit umſchatteten.

Graf Mirabeau ſah ihn erſt mit einiger Betroffen⸗ heit an, faßte ſich aber dann ſogleich, und ſein leicht zu einem ſcharfen und düſtern Ausdruck geneigtes Geſicht ging in die rückſichtsvollſte Freundlichkeit für den Greis über.

Eigentlich haftet auf mir die meiſte Schuld, daß ich den ſchönen Namenstag unſerer Freundin nicht ſo⸗ gleich erkannte und begrüßte, ſagte der Marquis von Condorcet, ein Mann von ungefähr vierzig Jahren, aus deſſen Angen der Ausdruck der entſchiedenſten Güte ſtrahlte, während ſeine hohe, gewölbte Stirn und ſeine ſcharf markirte Adlernaſe, wie auch der leiſe zu⸗ ſammengekniffene Mund, den berühmten mhemati⸗ ſchen Denker verriethen.

Ich meine, fuhr er in ſeiner gutmüthigen Selbſt⸗ anklage fort, da ich in dieſem Kreiſe der Rechenmeiſter und Mathematiker par excellence bin, und Tag und Nacht mit allen möglichen Calcüls mich beſchäftige, ſo hätte ich am allerwenigſten in dem Calcül des Herzens fehlen dürfen, und alle meine andern Berech⸗ nungen hätten an dieſem Tage, der die Formel alles Glückes für uns ausſpricht, wie von ſelbſt ſtill ſtehen müſſen. Nun, nehmt darum nicht minder freundlich die Wünſche Eures alten Freundes Condorcet auf!

Es war von Euch Allen galant, daß Ihr nicht mit mir rechnen wolltet! ſagte Madame Helvétius.