natürlichen Liebenswürdigkeit hat ſie die alte tyran⸗ niſche Hofetiquette durchbrochen. Und was will dies anders ſagen, als daß ſie damit den erſten Schlag ge⸗ gen jenen Hofadel Frankreichs geführt hat, in dem das eigentliche Verderben der Geſellſchaft von jeher ge⸗ wurzelt? Selbſt daß der Hof heut nach einem Ort wie Auteuil kommt, wird in der That als ein neuer Sieg zu betrachten ſein, welchen die Königin über die alte Hofpartei davongetragen. Die Königin will dem Hof eine freiere, zwangloſere Bewegung geben, ſie will ihn allmählig losketten von den Vorurtheilen, in denen er erſtarrt war, und die ihn von jeder Berührung mit dem Volke und mit dem nationalen Leben ſtreng ab⸗ ſchieden. Auch iſt ſie wohlthätig, gut und hüffreich gegen Jedermann, allen neueren Beſtrebungen möchte ſie förderlich werden, und auch Herr Etienne Mout⸗ golfier hat die Penſion, die er vom Hofe für ſeine neue Erfindung empfangen, nur der Verwendung der Königin zu verdanken.
Und ein ganz friſches Beiſpiel von der Liebens⸗ würdigkeit der Königin gegen die ſtrebenden Geiſter der Zeit bin ich! nahm Chamfort mit einem ſeltſa⸗ men Ausdruck das Wort. Meine Tragödie: Muſta⸗ pha und Zöéangir, die vor einigen Wochen auf dem Theater des Hofes in Fontainebleau geſpielt worden, hat der Königin einen ſo großen Beifall abgewonnen, daß ſie dem Verfaſſer eine Penſion von zwölfhundert Franes jährlich dafür ausgeſetzt hat. Ich habe nicht darum nachgeſucht, aber ich glaubte dieſe Gnadenbe⸗ zeugung der ſchönen Königin auch nicht ablehnen zu dürfen. Mir ſelbſt iſt die Anzeige von dieſem ganz unerwarteten Glück erſt heut früh gemacht worden, aber in Paris war es ſchon geſtern allgemein bekannt, und hat auf der andern Seite mein Unglück entſchie⸗ den. Ich habe es Euch verſchwiegen, daß mein Trauer⸗
2*


