Iſt es möglich? rief Madame Helvétius verwun⸗ dert, indem ſie mit naivem Erſtaunen die Hände in⸗ einander ſchlug. Was erfahre ich da Alles für uner⸗ hörte Neuigkeiten in Einem Athem von Euch? Und das Alles kann in dieſem kleinen, gleich einer Laterne durchſichtigen Auteuil vorgehn, ohne daß ich auch nur das Geringſte davon weiß? Wahrhaftig, ich komme mir hier auf meiner Villa ſchon wie ein Einſiedler in einer Waldhütte vor, und ich fühle mich ganz ſchauerlich verlaſſen und abgeſchnitten!
Eigentlich hatte ich beim Anblick dieſer neuen mo⸗ diſchen Coiffüre das Gegentheil zu vermuthen ge⸗ wagt, rief Chamfort, indem er mit einer galanten Handbewegung auf den Kopfputz der Madame Hel⸗ vétius hindeutete, und ſich dabei huldigend verneigte. Ich glaubte, unſere liebenswürdige Freundin habe auch bereits ihre Vorbereitungen getroffen, um unſer Auteuil heut bei dem Beſuche des Hofes feſtlich zu repräſen⸗ tiren. Denn dieſe Toilette, welche heut die ſchöne Witwe unſres großen und freigeiſtigen Helvétius trägt,
iſt doch nichts mehr und nichts weniger als ein Zu⸗
geſtändniß an die Moden des Hofes. Aber ich muß mein Compliment machen, Madame, denn dieſer Auf⸗ ſatz ſteht Ihnen vortrefflich, und hilft allen Zauber Ihrer Natürlichkeit und Ihrer ewig friſchen Anmuth auf die graciöſeſte Weiſe an Ihnen ſymboliſiren. Ma⸗ dame Helvétius darf es wagen, Grünkohl und Moor⸗ rüben auf ihrem ſchönen Kopf zu tragen, denn Ma⸗ dame Helvétius iſt die Repräſentantin der reinen und edeln Natur, und ihr Mann hat„über den Geiſt“ geſchrieben. Denn Geiſt muß es doch auch immer als Gegenhalt gegen die Natur geben. Am Hofe von Verſailles giebt es aber jetzt weder Natur noch Geiſt, und die Gemüſe, mit denen man dort jetzt auf ſtol⸗ zen Häuptern kokettirt, wirken blähend und fahren
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