fort, indem er ſich ihr näherte, und auf ihre weiße kleine Hand, die ſie ihm entgegenreichte, einen ehrer⸗. bietigen Kuß drückte.
Ganz im Gegentheil, meine Herren, erwiderte Madame Helvétius mit ihrem bezaubernden Lächeln, ich finde gar nicht, daß Ihr wie gute Nachbarn und getreue Freunde hier in Autenil bei mir lebt. Ich bildete mir immer ein, Ihr hättet Euch beide hier in unſerm Auteuil niedergelaſſen, damit man von Euerer liebenswürdigen Geſellſchaft etwas hätte, und um täglich und ſtündlich mit Euerer alten Freundin zu⸗ ſammen zu ſein. Aber wenn ich Euch feierlich zum Diner einlade, wie heut, glaubt Ihr dafür zu unſerm freundſchaftlichen Dejeuner ausbleiben zu müſſen? Iſt das Recht? Freilich, unſer guter Doctor Cabanis da iſt zu entſchuldigen, denn ſeitdem er hier in Auteuil praktizirt, kann er ſich kanm retten vor Kranken. Aber † er ſollte doch bedenken, daß ich auch zu ſeinen Kranken gehöre, da ich ihn zu meinem Leibarzt angenommen habe. Und warum haben Sie mir heut Morgen noch gar nicht Ihre Viſite gemacht, Herr Doctor Cabanis?
Sie näherte ſich dabei dem jungen Mann, der im Hintergrunde des Zimmers in einer träumeriſchen nachläſſigen Haltung ſtehen geblieben war, und zog ihn an der Hand zu einem Lehnſeſſel fort, indem ſie ihm gegenüber Platz nahm, und Chamfort auf einen Seſſel zu ihrer Seite hinwinkte.
Cabanis war ein junger Mann von kaum ſieben⸗ undzwanzig Jahren, der durch ſeinen feinen und ſchlan— ken Körperban, wie durch den zarten, faſt durchſichti⸗ gen Ausdruck ſeines Geſichts, ein noch jugendlicheres Ausſehen zu haben ſchien. Doch hatte er zugleich in ſeinem ganzen Weſen den Ausdruck eines Leidens, das theils die übermäßig angeſtrengten Studien verrieth,


