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ſcharfen Blitzen leuchtenden Augen nach einer Aeußerung von ihm begierig machten.
Mirabeau war ihm jetzt mit der lebhafteſten Be⸗ grüßung entgegengeſtürzt und ſagte: Geprieſen ſeien die Pariſer Wahlen, die uns den Grafen Sieèyes ge⸗ ſandt haben! Ihr ſeid der einzige Geiſtliche, der als Vertreter des dritten Standes hier erſchienen iſt, und das wird und muß uns Glück bringen. Umarmen wir uns darauf!
Sidyes erwiederte dieſen Gruß mit einer freund⸗ lichen, aber ſehr gemeſſenen Bewegung, und ſagte: Kann es einen natürlicheren Vertreter des dritten Standes geben, als den Geiſtlichen? Wenn der Geiſt⸗ liche nicht zugleich ein Mann des Volkes iſt, kann er nur ein Heuchter ſein. Ohne das Volk giebt es ebenſo wenig eine Kirche als einen Staat.
Und unſer Sioyes iſt ja eigentlich das Orakel des dritten Standes geworden, rief der Abbé Cerutti, in⸗ dem er Sioyes auf die Schulter klopfte. Seine Schrift:„Was iſt der dritte Stand?“ iſt die Ori⸗ flamme der heutigen Nationalbewegung Frankreichs. Sie hat dem Volke den Weg gewieſen, um ſich ſelbſt zu finden, denn die Selbſterkenntniß iſt das Sacra⸗ ment, welches, wenn es dem Sterbenden gereicht wird, ihn wieder zu einem Lebenden macht.
Nicht übel, Cerutti, ſagte Sièyes in ſeiner lakoni⸗ ſchen Kürze. Aber wenn Ihr doch von meiner kleinen Schrift über den dritten Stand redet, ſo ſteht hier der Mann, dem ich dabei Alles verdanke, nicht nur die Anregung, ſondern auch viele einzelne Stellen, die gerade die Hauptſache enthalten.
Er deutete bei dieſen Worten auf Chamfort, der neben ihm ſtand und bei dieſer Erwähnung faſt er⸗ ſchrocken zuſammenfuhr..
Unſer Freund Chamfort erröthet, wie ein junges


