Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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den ſolle? Vielleicht überwältigte mich zugleich das wunderbare Schönheitsbild der Königin, das mir noch nie ſo rein und vollendet erſchienen, als in die⸗ ſem Augenblick. Ihr wißt, ich habe einen demokrati⸗ ſchen Geiſt und ein monarchiſches Herz. Bei Euch iſt es immer umgekehrt geweſen, denn Ihr ſeid gerade in Eurem Herzen demokratiſch, Talleyrand, während Euer Geiſt ſtets einen Fußfall bereit hat für die Kö⸗ niglichen Herren dieſer Erde. Unſere politiſchen De⸗ batten, die wir früher mit einander führten, haben darum immer ſo viel Reiz für mich gehabt. Nur in Einem Ding ſtanden wir immer ganz gleich, nämlich in der Sympathie, die wir Beide unſern Gläubigern einzuflößen wußten.

Mit den Generalſtänden werden wir ja, ſo Gott will, Alle ein neues Leben anfangen, ſagte der Biſchof von Autun, andächtig die Hände faltend. Oſt iſt es gut, Gläubiger zu haben; man gewinnt daran zugleich Gläubige. Denn wer uns vertraut, und immer nach⸗ läuft, den werden wir leicht zu allem Guten mit uns führen können. Aber ſeht, da ſind ja noch andere liebe Freunde, mit denen man ſich gern einmal wieder die Hände ſchüttelt.

Er deutete bei dieſen Worten auf eine ihnen nahe getretene Gruppe, in der Chamfort und Cerutti mit einem dritten Herrn in geiſtlicher Kleidung zuſammen⸗ ſtanden, in welchem letztern Mirabeau mit großem Intereſſe den Abbe Sioyes wiedererkannte.

Sieyes war eine kleine gedrungene Geſtalt, der Energie und Willenskraft gewiſſermaßen in jeder ihrer Muskeln eingeprägt zu ſein ſchienen. Aber ſein Weſen hatte zunächſt etwas Verſchloſſenes und Düſteres, ob⸗ wohl der bedeutende Kopf, der in einem ruhigen Nach⸗ ſinnen vornüber auf die Bruſt geſenkt lag, und die hinter langen Wimpern verſchleierten, nur zuweilen in