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andern, niedergelaſſen geweſen. Man begrüßte ſich lebhaft von einem Stande zum andern, je nachdem man perſönliche Bekannte ſich gegenüber ſah. Nur die Mitglieder des Adels hatten ſich größtentheils in demſelben Augenblick zu entfernen angefangen, in welchem ſie den Aufbruch des Hofes wahrgenommen, und nur wenige Einzelne waren noch zurückgeblieben, um ſich mit einigen Mitgliedern des Clerus oder des dritten Standes zu unterhalten.
In der Mitte der Kirche hatten ſich einige Grup⸗ pen gebildet, in denen man in lebhafter Unterhaltung zuſammenſtand, und zu denen allmählich auch ein⸗ zelne Perſonen von den Zuſchauerplätzen ſich heran⸗ fanden. Chamfort und Cerutti hatten ſich in die⸗ ſen Kreis begeben, um ſich mit Mirabeau zu be⸗ grüßen, der die Freunde herzlich empfing, bald aber wieder durch andere Begegnungen von ihnen abge⸗ zogen wurde.
Mirabeau ſprach jetzt beſonders eifrig mit einigen Mitgliedern des Clerus, unter denen er mehrere per⸗ ſönliche Bekannte hatte, mit denen ihm eine perſön⸗ liche Wiederanknüpfung in dieſem Augenblick wichtig zu ſein ſchien. Darunter befand ſich namentlich Tal⸗ leyrand⸗Périgord, der ſeit Kurzem Biſchof von Autun geworden war, und auch von dieſer Stadt die Wahl zu den Reichsſtänden angenommen hatte. Mit dem geiſtreichen und liebenswürdigen Abbé von Périgord hatte Mirabeau früher in einem ſehr innigen Ver⸗ hältniß geſtanden, das nicht vertrauter und freund⸗ ſchaftlicher ſein konnte, und das auch ſeit der Erhe⸗ bung des jungen Abbé zum Biſchof noch in einer lebhaften Weiſe fortgedauert hatte. Nur plötzlich hatte dies Verhältniß durch eine beſtimmte Veranlaſſung einen Stoß erlitten, und Talleyrand, der es in der letzten Zeit in Paris abſichtlich vermieden, Mirabeau


