Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

in ſeinem Journal benutzen will, welches er über die Sitzungen der Reichsſtände herauszugeben angefangen. Denn er glaubt, daß der Held der Zeit heut auch die Schreibfeder führen müſſe, um dem Jahrhundert in die Weichen zu dringen. Darum hat der Abge⸗ ordnete des dritten Standes zugleich auch als Jour⸗ naliſt debütiren zu müſſen geglaubt. Und nun kann ich der Königin hier gerade recht ins Antlitz ſehen, und die geheimen Falten eines Kummers, welcher der E angehört, auf dem ſchönſten Geſicht udiren.

Die Königin ſieht in der That ſehr leidend aus, entgegnete Abbs Cerutti. Sie hat dieſen Tag ſchon lange gefürchtet, und ſich lange vor demſelben ge⸗ ſträubt. Ihr Mißverhältuiß zur Nation hat ſich heut auf die ſchlimmſte Weiſe entſchieden, und ich fürchte für ſie. Wäre ihre Anſicht im Staatsrathe durchgegan⸗ gen, ſo hätte man die Verſammlung der Reichsſtände auf vierzig bis ſechzig Meilen von der Hauptſtadt entfernt gelegt, und Marie Antvinette wäre ſchwerlich von dieſen Eindrücken berührt worden, die ihr heut ein wahres Grauen in das Herz geworfen haben. Aber die Meinung Necker's ſiegte für Verſailles, und meines Erachtens macht es dem Miniſter Ehre, daß er die Verſammlung in der Nähe von Paris haben wollte, um zu zeigen, daß er es nicht ſcheut, die Ab⸗ geordneten der Nation in einem gewiſſen Zuſammen⸗ hang mit dem Drang und Leben des Volkes zu ſehen. Dies Vertrauen zum Volke wird Herrn Necker hoch angerechnet werden müſſen.

Aber den richtigen Inſtinct wird man der Königin dabei nicht abſprechen können, erwiederte Chamfort. Es ſtehen große Stürme bevor, und ihre ſchönen blonden Locken werden davon nothwendig in Unord⸗ nung gerathen müſſen. 3 1