Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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in früheren Zeiten ſo oft bei ihrem öffentlichen Er⸗ ſcheinen vernommen, drang ihr heut entgegen.

Marie Antoinette ſchien die ganze Schwere dieſes Moments auf das Tieſſte zu empfinden. Dies un⸗ heimliche Schweigen, welches ihr das Volk entgegen⸗ ſtellte, und aus dem ſich, ohne daß man wußte wie, eine ſchneidend feindſelige Stimmung herausfühlte, dünkte ihr ein Angriff auf ihre Perſon zu ſein, den ſie nicht ungeahndet hinnehmen zu dürfen glaubte. Die Königin verſuchte daher, ihrem Schmerz und ihrer Bewegung zu trotzen, indem ſie ſich, wie ſchon öfter bei früheren Gelegenheiten, in eine verachtungs⸗ volle Miene und ſpöttiſche Blicke, mit denen ſie das Volk muſterte, hineinrettete. Plötzlich aber begann ſie zu ſchwanken, ihr Geſicht erbleichte, und die hin⸗ und herzitternde Geſtalt ſchien ohnmächtig nieder⸗ ſinken zu wollen. Die Prinzeſſin von Lamballe, welche ſich der Königin zunächſt befand, bemühte ſich, ſie mit ihrem Arm zu ſtützen. Man glaubte einen Augenblick, daß die ganze Prozeſſion unterbrochen werden müſſe. Aber Marie Antoinette gewann bald wieder ſo viel Feſtigkeit, um den Weg fortfetzen zu können.

Die neue Erſchütterung der Königin war beſon⸗ ders durch einige Frauen aus dem Volke hervorgerufen worden, welche ſich mit fürchterlichen Mienen und in der gehäſſigſten Abſicht der Königin von weitem be⸗ merklich zu machen geſucht, indem ſie ihr mit Lauten und Gebärden, die von der Königin nicht mißverſtan⸗ den werden konnten, zuſchrieen:es lebe der Herzog von Orléans! die Orléans für immer! In den Augen der Herzogin von Orléans, mit denen ſich die Blicke der Königin gerade in dieſem Moment begegnet waren, blitzte ein triumphirendes Lächeln empor, von dem ſich Marie Antvinette noch tiefer verwundet gefühlt.