Ah, erwiederte Mirabeau mit einem unwillkürlichen Lächeln, dann iſt es ein Irrthum, für den ich um Verzeihung bitten muß, denn unmöglich kann ich einen Mann des deutſchen Parnaſſes mit der Beſtellung eines Briefes nach Sansſonci beauftragen.
Ich übernehme alle Beſtellungen in der Ville de Paris, die vorkommen, und der Beſitzer des Hötels bürgt für die Richtigkeit meiner Ausführungen, erwie⸗ derte der alte Candidat mit einer beſcheidenen aber ſehr ausdrücklichen Beſtimmtheit.
Und warum hat man einen Mann von Ihren Ta⸗ lenten nicht an eine beſſere Stelle geſetzt? fragte Mi⸗ rabeau verwundert. Iſt es in Eurem Deutſchland üblich, daß die Geiſter Bedientendienſte verſehen müſſen?
Oh, ich bitte, entgegnete der Candidat, indem einige brennend rothe Punkte auf ſeinen bleichen ausgehöhlten Wangen emporſtiegen. Ich bin ſehr zufrieden hier im Hauſe, obwohl es zuweilen beſſer ſein könnte. Ich war der Hauslehrer der Kinder ſeit einer Reihe von Jahren, und nachdem ich die Erziehung derſelben voll⸗ endet, blieb ich im Hauſe, führte die Bücher, ſchreibe die Speiſezettel und beſorge auch allerhand Commiſ⸗ ſionen, wobei mir noch Muße genug bleibt, einige Beiträge für die Berliniſche Monatsſchrift der Herren Bieſter und Gedike zu ſchreiben.
Und Ihr ſeid zufrieden mit einem ſo kläglichen Looſe? fragte Mirabean. Wenn Eure Gedichte etwas taugen und Eure Kritiken dem guten Geſchmack förder⸗ lich ſind, warum nimmt ſich nicht Euer großer König, der gewiſſermaßen Euer College auf dem Parnaß iſt, Eurer an?
Entſchuldigen Sie, entgegnete Johann Lndwig Schmidt, die deutſchen Muſen wagen nicht einmal, vor dem Thron des großen Königs zu betteln. Aber ſie werden ihn beſingen, wenn ſein Heldenauge ſich


