meine Huldigung darbringen darf. Ich bin mit tiefſter Ehrerbietung, Sire, Ew. Majeſtät ſehr demüthiger, ſehr gehorſamer und ſehr unterwürfiger Diener Der Graf von Mirabeau.*)
Nachdem er ſeiner Freundin Henriette dies Schrei⸗ ben vorgeleſen, die es auch in den flüchtigen und ſtolzen Wendungen, welche es hatte, ganz des Grafen Mira⸗ beau würdig fand, convertirte er es raſch und klingelte nach dem Kellner, der beauftragt wurde, einen zuver⸗ läſſigen Mann ausfindig zu machen, der mit dem Briefe nach Sansſouci an den König abgeſandt wer⸗ den könnte.
Eine ſolche Perſon wurde im Hötel ſelbſt nachge⸗ wieſen und der Kellner ſandte nach einiger Zeit einen Mann zu dem Grafen hinauf, der ſeinem Aeußern nach in einem ziemlich verkümmerten und bemitleidens⸗ würdigen Zuſtande zu ſein ſchien, und mit traurig ge⸗ ſenkten Blicken ſich vor Mirabeau darſtellte, um ſeine Befehle zu empfangen.
Wer ſind Sie und wie heißen Sie? fragte ihn Mirabeau raſch, indem er mit prüfenden Blicken das abgehärmte bleiche Geſicht, und das zwar noch ſaubere, aber doch ungemein fadenſcheinige und bis an die äußerſte Grenze der Haltbarkeit vorgeſchrittene Kleid des Man⸗ nes betrachtete.
Ich bin der Candidat Johann Ludwig Schmidt, entgegnete der ſchon ziemlich ältliche Mann mit einer furchtſamen Stimme. Auch bin ich Dichter und Kri⸗ tiker, fügte er mit einem leiſen Anflug von Selbſtge⸗ fühl hinzu.
*) Wörtlich nach dem Original. Oeuvres de Frédéric le Grand XXV. 323. 3


