Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſtehlichſte Weiſe an den ſtattlichen und merkwürdigen Frager feſſelte.

Ein Handwerker, mit dem Mirabeau auf der Kur⸗ fürſten⸗Brücke vor der ehernen Reiterſtatue des großen Kurfürſten Bekanntſchaft gemacht, war eine Zeitlang ſein Führer und Begleiter geworden, und hatte ihn in ſeiner Weiſe, die aber für Mirabeau gerade die erwünſchteſte und lehrreichſte war, über Straßen und Plätze, und manches Andere, zu orientiren geſucht. Es war ein Schuhmacher, der eine ganze Galerie von Schuhen und Stiefeln an einem Stock über ſeiner Schulter trug, die er im Begriff war, ſeinen Kunden in der Stadt zu überbringen. Mirabeau, der ein be⸗ ſonderes Talent hatte, mit Handwerksleuten umzugehen, und auf eine ſie beredt und vertraut machende Weiſe mit ihnen zu verkehren, hatte den ehrſamen Meiſter, der ſeine Arbeitslaſt gerade über dem eiſernen Gitter des Denkmals ruhen ließ, ſehr ergiebig für politiſche und vaterländiſche Betrachtungen gefunden. Der Mann wußte ihm zwar nicht ganz genau zu ſagen, wer der große Kurfürſt geweſen, und Mirabeau dachte dabei mit Betroffenheit an die Leute aus dem Volk in Paris zurück, die in der Regel von jedem hiſtoriſchen Monu⸗ ment, das ſich in ihrer Stadt befindet, und das ihrer eigenen Geſchichte angehört, eine genaue Kunde haben. Aber der Schuhmacher von Berlin wußte wenigſtens ſo viel zu ſagen, daß der gewaltig auf ſeinem Pferde thronende Kurfürſt ein ſehr tapferer und gottesfürch⸗ tiger Herr geweſen ſei, der auch den Herren Fran⸗ zoſen ſeiner Zeit viel zu ſchaffen gemacht habe, obwohl Alles, was er gethan, doch nur ein reiner Spaß ſei gegen die Heldenthaten des alten Fritz, der den Fran⸗ zoſen bei Roßbach fürchterlich die Jacke ausgeklopft habe.

Erfreut über dieſe Unumwundenheit, die in der Berliner Volksmanier ſich drollig genug ausnahm,

Mirabeau. II. 2