kann Dich verſichern, Frau von Calonne iſt durchaus nicht ſchön. Ihre Naſe iſt entſchieden zu lang, ihre Augen ſchimmern in's Graue, was, wie Du weißt, mir ſo unangenehm iſt, und auf ihren dicken, wulſtigen Lippen ſitzt mehr ein boshafter Teufel, als ein koſender Liebesgott. Ich begreife in der That nicht, wie Deine eängſtigt umherirrende Phantaſie in dieſem Augen⸗ hlic gerade auf Frau von Calonne kommen konnte. Ich kenne ſie faſt gar nicht, und habe ſie nur ein ein⸗ ziges Mal in einer Soirée geſehn. Aber weißt Du, wie das Frauenzimmer heißt, welches dieſe Mörder gegen mich gedungen haben kann? Es heißt Zufall, denn ich habe den Zufall, der mit Allen buhlt und gegen Alle ſich verſchwört, von jeher für ein ſchlechtes Frauenzimmer gehalten und immer nur als ein ſol⸗ ches bezeichnet. Es iſt ein Zufall, wie er mich noch auf allen meinen Reiſen verfolgt hat, denn wann wäre ich jemals ausgereiſt, ohne daß mich nicht unterwegs irgend eine Gefahr betroffen hätte? Denke nur an unſere Reiſe nach London, wo wir faſt noch im Ha⸗ fen durch den kleinlichſten und nichtswürdigſten Zufall Schiffbruch erlitten hätten?—
Obwohl Henriette durch dieſe ruhige und würdige Auseinanderſetzung keineswegs ganz befriedigt ſchien, ſo wandten ſich doch ihre Gebanken jetzt wieder von dieſen Vorſtellungen ab, indem der Wagen in dieſem Augenblick vor der Poſtſtation anlangte, wo bereits eine große Aufregung über das, was geſchehen war, herrſchte.
Der Diener Mirabeau's war in der Angſt, die ihn plötzlich ergriffen hatte, hierher vorausgeeilt und hatte in der That eher als der Wagen das Poſthaus erreicht, welches durch ſeine ſchreckensvollen Erzählun⸗ gen ſogleich in die größte Bewegung verſetzt worden war. Er ſtand jetzt am Schlage, um denſelben zu


