rieth ſich wieder der ihr eigenthümliche Scharfblick, indem ſie, während Mirabeau in einiger Verlegenheit noch mit der Antwort zögerte, ganz leiſe hinzuſetzte: Frau von Calonne ſoll eine ſehr ſchöne, aber auch ſehr böſe Frau ſein. Ich hörte, daß ſie eine geborene Italienerin iſt.
Und was kann uns das ſchaden, mein Kind? er⸗ wiederte Mirabeau lachend, indem er bereuete, ſich vorher durch eine unvorſichtige Aeußerung verrathen zu haben.
Ich habe oft geleſen, wie rachfüchtig die Italiene⸗ rinnen ſind, und daß ſie gleich mit Dolch und Gift um ſich werfen, wenn ſie ſich von Jemanden verletzt glauben, ſagte Henriette, indem ſie ſich nahe und ängſt⸗ lich zu Mirabeau hinüberbog. Könnten ſie nicht auch einmal mit Piſtolen ſchießen laſſen?
Nein, mein Schatz, das glaube ich nicht, antwor⸗ tete Mirabeau trocken auf dieſe mit der drolligſten Naivetät ihm vorgelegte Frage, indem er, um ihr Schweigen aufzuerlegen, wiederholt ihren Mund küßte.
Der Wagen wurde über die häufig durch Schnee⸗ maſſen unterbrochene Straße ſo heftig und raſch da⸗ vongeführt, daß der unaufhörlich ſchwankende und ſtoßende Wagen die Fortſetzung des Geſprächs er⸗ ſchwerte, obwohl Henriette, die immer noch grübelte, noch tauſend Fragen auf dem Herzen zu haben ſchien.
Nein, mein Kind, begann Mirabeau nach einer Pauſe wieder, indem ihm ihre fortgeſetzte Bennuuhi⸗
ung leid zu thun anfing, es giebt keine ſchöne Frau in Paris, die zu einer ſolchen Rache gegen mich veran⸗ laßt ſein könnte, daß ſie bis hierher in den Wald bei Verdun mir mörderiſche Schüſſe nachſenden ließe. Und eine Häßliche kann es gar nicht geweſen ſein, denn dieſe Gattung bringe ich von ſelbſt nie in die Verſuchung, ſich an mir rächen zu müſſen. Und ich


