Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3 zend und ſchön um ſich her fand, daß ſie ſich ſelbſt in ihren Gedanken auszuſchelten begann, wie ſie zuvor ſich hatte einfallen laſſen können, ſo ſeltſame und ab⸗ geſchmackte Erſcheinungen zu haben. Es war ihr näm⸗ lich geweſen, als wenn ſeit einiger Zeit dunkle Ge⸗ ſtalten den Wagen umſchlichen, die bald langſamer, bald raſcher mit ihm weiter zogen und ſich dann ſpur⸗ los wieder in dem Wald verbargen, plötzlich aber wieder hervortraten, und nahe an das Fenſter kom⸗ mend, mit furchtbaren Blicken in den Wagen herein⸗ ſpähten.

Es ſind Baumzweige geweſen, ſo wie dieſer hier, dachte Henriette, indem ſie einen von Eis blinkenden Zweig, den der vorbeiſtreifende Wagen ſo eben in das Fenſter hereingedrückt hatte, mit der Hand abbrach, und wie zur Vergewiſſerung über die Täuſchungen ihrer Einbildungskraft ſorgfältig zu betrachten anfing.

Ich werde aber wach bleiben und Alles um mich her genau beobachten, ſagte ſie zu ſich ſelbſt, indem ſie wieder mit erneuertem Muth in die Nacht hinaus⸗ blickte. Sie erſchien ſich in dieſem Angenblicke wie der behütende Genius der Uebrigen, und lächelte in dieſem Bewußtſein von Zeit zu Zeit ihrem Freunde Mirabeau und dem kleinen Coco zu, die mit dem regelmäßigen und eifrigen Athmen ihres Schlummers jetzt einzig und allein die rings herrſchende Stille unterbrachen.

In dieſem Augenblicke fiel ein Piſtolenſchuß, der aus dem Gebüſche her in den Wagen drang, jedoch außer dem erſchreckenden Knall keine Spuren in dem⸗ ſelben zurückließ, da die Kugel zu dem entgegengeſetzten Fenſter wieder hinausgefahren war.

Mein Freund, mein Freund, man ſchießt auf uns! rief Henriette mit einem hellen Angſtſchrei, indem ſie ſich an Mirabeau anklammerte und denſelben, der noch