Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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einem leiſen Winſeln, durch welches eine junge Dame, die in der einen Ecke des Wagens ſaß, immer von Neuem wieder aus dem Schlummer, der ſich kaum ihrer bemächtigt hatte, emporgeſchencht wurde.

Sie faßte dann, wie es ſchien, den Entſchluß, den Schlaf gänzlich aufzugeben, und nachdem ſie mit ſorg⸗ fältig prüfenden Augen ihren in einen gewaltigen Pelz eingehüllten, tief ſchlummernden Nachbar und einen kleinen Knaben, der auf dem Rückſitz in den Armen einer Wärterin eingeſchlafen war, betrachtet hatte, lehnte ſie ſich zu dem Wagenfenſter hinaus, deſſen Glasſcheibe herabgelaſſen war. Ihr ſchönes Auge blickte klar und ſcharf in den weiß ſchimmernden Wald hinaus, der jetzt dicht an der Landſtraße hin ſich fortzog, und deſſen von Eis und Schnee zitternde Baumgruppen in dem ſpielenden Licht des Mondes allerhand wunderbare Geſtalten bildeten.

Du biſt wahrhaft unausſtehlich, Sarah! flüſterte ſie dann, zu dem Hunde ſich niederbeugend, der ſeine leiſe wimmernden Klagetöne von Neuem erhob. Ich glaube, Du haſt Furcht in dem nächtlichen, ſchauer⸗ lichen, frierenden Wald. Witterſt Du etwa Geſpenſter, dumme Sarah?

Henriette ſchien bei dieſen Worten ſelbſt in eine Art von Beunruhigung zu gerathen. Mit einer haſti⸗ gen Bewegung ſteckte ſie ihren Kopf weiter zum Wagen⸗ fenſter hinaus, zog ihn aber in demſelben Augenblicke wieder raſch zurück, und ſchien in der Berührung von Mirabeau's Hand, die ſich eben zufällig auf ihren Schooß hinabgeſenkt hatte, eine Erkräftigung zu ſuchen. Der Anblick ihres in tiefſter Ruhe und Zuverſicht neben ihr ſchlummernden Freundes ſchien ihre aufgeregten Beſorgniſſe wieder vollſtändig zu zerſtreuen.

Sie beſchäftigte ſich von Neuem mit dem Betrachten der nächtlichen Winterlandſchaſt, die ſie jetzt ſo glän⸗