Teil eines Werkes 
4 (1857) Gefangen und befreit : Roman / von Theodor Mügge
Entstehung
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roth dazu, und die Goldſtickerei. Sie werden Alles zu Schanden machen.

Der Freiherr ſtrich den kleinen röthlichen Knebelbart mit einem Lächeln des Wohlgefallens nach beiden Seiten, ordnete das dünne, blonde Haar mit Hülfe des Taſchen⸗ kamms, während Franziskus die Lichte hielt, und wendete ſich dann zum Tiſch, wo Hut, Degen und Handſchuh bereit lagen. Sieh, ob der Wagen gekommen iſt, ſagte er zu dem Diener.

Als Franziskus hinaus war, ſtand Herr von Polenz gedankenvoll ſtill. Heut oder nie, murmelte er, es muß entſchieden ſein. Ich habe Alles gethan, was ein Menſch thun kann. Auf Ehre und Gewiſſen! ich habe mich förmlich innerlich umgewendet und bin ein anderes Weſen geworden. Blut habe ich dabei geſchwitzt und Dornen⸗ kronen getragen ich halte es nicht länger aus.

Ein Klopfen an der Thür ließ ihn abbrechen. Herein! rief er laut, und in das Zimmer trat ein ſchlanker junger Mann, dicht in einen Oberrock geknöpft und den Hut auf dem Kopf. Einen Augenblick blieb er regungslos ſtehen und ſchien zu erwarten, ob er erkannt werde, dann ſtreckte er langſam die Hand aus, als Polenz ſich ihm näherte.

Guſtav! rief dieſer, Du hier? welche Ueberraſchung!

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