Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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Sollte dann das Oberſte zu unterſt geſtürzt ſein? Auf was konnte er noch vertrauen? Das, was ihn Ge⸗ wißheit zu ſein geſchienen hatte, ſtürzte zuſammen!

Ja, ſo war es! Und Jean Valjean ſah dies; er be⸗ rührte es! Er konnte es nicht nur nicht läugnen, ſondern er nahm ſogar ſelbſt Theil daran. Das waren Wirklich⸗ keiten. Es war gräßlich, daß die wirklichen Thatſachen bis zu einer ſolchen Mißgeſtalt gedeihen konnten.

Wenn die Thatſachen ihre Pflicht thäten, ſo würden ſie ſich damit begnügen, die Beweiſe für das Geſetz zu ſein; die Thatſachen ſendet Gott. Sollte denn die Anarchie jetzt von oben kommen?

So wären alſo die Gewalt der Geſetzgebung und die Urtheilsſprüche der höchſten Gerichtshöfe, die Regierung, Vorkehrung und Beſtrafung, die offizielle Weisheit, die geſetzliche Unfehlbarkeit, das Prinzip der Autorität, alle Dogmen, auf denen die politiſche und bürgerliche Sicher⸗ heit ruht, die Souverainität, die Juſtiz, die Logik, die aus dem Geſetze entſpringt, alles nichts als Trümmer, Schutt, Chaos; er ſelbſt, Javert, die Auflaurer der Ordnung, die Unbeſtechlichkeit ſelbſt im Dienſte der Polizei, die Wacht⸗ hundvorſehung der Geſellſchaft beſiegt und niedergeworfen, und über alle dieſe Trümmer erhebt ſich ein Menſch, die grüne Mütze auf dem Kopfe und den Heiligenſchein auf der Stirn. Das war die geſetzliche Viſion, welche er in ſeiner Seele hatte.

War das erträglich? Nein.

Gab es je einen gewaltſamen Zuſtand, ſo war es der ſeine. Es gab nur zwei Arten, ſich demſelben zu ent⸗ reißen. Die eine beſtand darin, entſchloſſen auf Jean Valjean zuzuſchreiten und den Menſchen des Bagno dem Kerker zurückzugeben. Die andere

Javert verließ die Brüſtung und diesmal mit hocher⸗ hobenem Kopf ging er mit feſtem Schritt nach dem Wacht⸗