Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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frei, er ſtiehlt den Geſetzen einen Menſchen, der ihnen angehörte. Das war es, was er gethan hatte. Er begriff ſich nicht mehr. Er war ſeiner ſelbſt nicht mehr ſicher. Selbſt die Beweggründe ſeiner Handlungen entgingen ihm; er empfand nur Schwindel darüber. Er hatte bis zu dieſem Augenblick in einem blinden Glauben gelebt, welchen die Rechtſchaffenheit erzeugt. Dieſer Glaube verließ ihn, dieſe Rechtſchaffenheit verſchwand. Alles, was er geglaubt hatte, floß auseinander. Wahrheiten, die er bisher nicht kannte, beſtürmten ihn unerbittlich. Er ſchien von jetzt ab ein anderer Menſch zu ſein. Er empfand die eigenthümlichen Schmerzen eines Gewiſſens, das plötzlich erwacht. Er ſah, was zu ſehen ihn widerſtrebte. Er fühlte ſich aus ſeinem vergangenen Leben vertrieben, abgeſetzt, aufgelöſt. Die Autorität war in ihm erſtorben. Er hatte nicht mehr das Recht, zu ſein.

Fürchterliche Lage! Er war gerührt.

Von Granit zu ſein und zu zweifeln! Die Bildſäule der Beſtrafung zu ſein, aus einem Stück in der Form des

Geſetzes gegoſſen und dann plötzlich zu bemerken, daß man.

in ſeiner ehernen Bruſt etwas Abgeſchmacktes und Unge⸗ horſames habe, das beinahe einem Herzen gleicht! Dahin zu kommen, Gutes mit Gutem zu vergelten, obgleich man ſich bis zu dieſem Tage geſagt hat, daß dieſes Gute das Böſe iſt! Der Wachthund zu ſein und zu lecken. Eiſen zu ſein und zu ſchmelzen! Die Zange zu ſein und Hand zu werden! Plötzlich zu fühlen, wie die Finger ſich öffnen und ihre Beute loslaſſen! Das war etwas Entſetzliches!

Gezwungen zu ſein, ſich geſtehen zu müſſen: Die Un⸗ fehlbarkeit iſt nicht unfehlbar; es kann Irrthum in dem Dogma geben; es iſt noch nicht Alles geſagt, wie ein Ge⸗ ſetzbuch geſprochen hat; die Geſellſchaft iſt nicht vollkommen, die Autorität iſt dem Irrthum unterworfen; die Richter ſind Menſchen; das Geſetz kann ſich täuſchen; einen Sprung