Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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in die Worte des Strafgeſetzbuches bringen ließe; daß das Unvorhergeſehene Gehorſam erzwingen könnte; daß die Tugend eines Züchtlings der Tugend eines Beamten eine Schlinge zu legen vermochte, daß der Verabſcheuungswerthe göttlich ſein könnte, daß das Geſchick ſolchen Hinterhalt legte, und er dachte mit Verzweiflung daran, daß er ſelbſt nicht gegen einen ſolchen Ueberfall geſichert geweſen war.

Er war gezwungen, anzuerkennen, daß die Tugend be⸗ ſtand. Dieſer Züchtling war tugendhaft geweſen. Und er ſelbſt, etwas Unerhörtes, er war ſo eben weich geweſen. Er mißachtete ſich daher.

Er fand ſich feig. Er flößte ſich Entſetzen ein.

Das Ideal war für Javert nicht menſchlich, groß, erhaben zu ſein; es beſtand darin, vorwurfsfrei zu ſein. Er war aber ſo eben ſchwach geweſen.

Wie war er dahin gekommen? Wie war Alles ge⸗ ſchehen? Er hätte es ſich ſelbſt nicht zu ſagen vermocht. Er nahm ſeinen Kopf in beide Hände, aber es gelang ihm nicht, ſich Alles zu erklären. Er hatte ganz gewiß immer die Abſicht gehabt, Jean Valjean dem Geſetz zu überliefern, deſſen Gefangener er, Jean Valjean, war, deſſen Sklave er, Javert, war. Er hatte ſich, während er ihn hielt, nicht einen einzigen Augenblick geſtanden, daß er den Ge⸗ danken hegte, ihn laufen zu laſſen. Gewiſſermaßen ohne ſein Wiſſen hatte ſeine Hand ſich geöffnet und ihn frei⸗ gelaſſen.

Alle Arten neuer Räthſel zeigten ſich ſeinen Augen. Er richtete Fragen an ſich, er gab ſich Antworten und dieſe erſchreckten ihn. Er ſagte ſich: Dieſen Züchtling, dieſer Verzweifelte, den ich bis zur Erbitterung verfolgte und der mich unter ſeinem Fuße hatte, der ſich rächen konnte, der es mußte, ſo wohl aus Rache, als ſeiner Sicherheit wegen, was that er? Seine Pflicht. Nein. Etwas mehr. Und ich, indem ich meinerſeits begnadigte, was that ich? Meine

als