Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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dafür beſtraft werden? Jean Valjean, der für die ganze geſellſchaftliche Ordnung gefährliche Menſch, ſollte frei ſein, und er, Javert, fortfahren, das Brot der Regierung zu eſſen?

Seine Träumerei wurde immer fürchterlicher und fürchterlicher.

Er hätte ſich auch noch einen Vorwurf in Bezie hung auf den Inſurgenten machen können, den er nach der Rue des Filles du Calvaire ſchaffte; aber an dieſen dachte er nicht einmal. Die geringere Schuld verlor ſich vor der größeren. Ueberdies war dieſer Inſurgent offenbar ein todter Menſch, und geſetzlich ſelbſt endet der Tod die Verfolgung.

Jean Valjean, das war die Laſt, die auf ſeinen Geiſt drückte.

Jean Valjean verwirrte ihn. Alles, was im Leben ſeine Stützpunkte gebildet hatte, brach vor dieſem Men⸗ ſchen zuſammen. Die Großmuth Jean Valjean's gegen ihn, Javert, drückte ihn nieder. Andere Thatſachen, auf die er ſich beſann und die er ehemals als Lügen und Thorheiten betrachtet hatte, erſchienen ihm jetzt als Wirk⸗ lichkeiten. Herr Madeleine zeigte ſich hinter Jean Valjean, und die beiden Geſtalten traten ſo zu einander, daß ſie nur noch eine bildeten, welche Ehrfurcht verlangte. Javert fühlte etwas Entſetzliches in ſeine Seele eindringen: Die Bewunderung für einen Züchtling. Achtung eines Galeeren⸗ züchtlings, iſt die denn möglich? Er erbebte darüber und konnte ſich dennoch dieſem Gefühle nicht entziehen. Mochte er auch ſich dagegen ſträuben wie er wollte, er mußte dennoch ſich in ſeinem Innern die Erhabenheit dieſes Elenden eingeſtehen. Das war entſetzlich!

Ein wohlthätiger Miſſethäter, ein mitleidiger Wohlthäter, ein barmherziger Züchtling, der Böſes mit Gutem ver⸗

Die Elenden. IX. 12